Ambrofix™ – Biotech-Ambroxan aus Zuckerrohr

Ambrofix™ von Givaudan – Die vollständige Referenz

Ambrofix™ ist ein Produkt von Givaudan aus der Familie der Ambroxide (CAS 6790-58-5) – hergestellt über einen biotechnologischen Prozess der neuen Generation aus Zuckerrohr. Es gehört zu den meistverwendeten und am tiefsten dokumentierten Materialien der Parfümerie.

Inhalt

  1. Was ist Ambrofix™?
  2. Wie riecht Ambrofix™?
  3. Ambrofix™ und klassische Ambroxide
  4. Chemie und Physik
  5. Dosierung und Wirkung
  6. Lösen, Lagern, Kombinieren
  7. Stabilität
  8. IFRA-Status und Regulierung
  9. Geschichte
  10. Häufige Fragen

1. Was ist Ambrofix™?

Ambrofix™ ist ein bicyclischer Terpenether (C₁₆H₂₈O, MW 236,4 g/mol) mit einem chiralen Zentrum – chemisch bekannt als 3a,6,6,9a-Tetramethyldodecahydronaphtho[2,1-b]furan. Die eingesetzte Form ist das (−)-Enantiomer: die olfaktorisch aktive Form des Moleküls mit dem charakteristischen Amber-Charakter.

Was Ambrofix™ von klassischen Ambroxide-Materialien unterscheidet, ist nicht die Molekülstruktur – sondern der Weg dorthin. Givaudan produziert Ambrofix™ über einen mehrstufigen biotechnologischen Fermentationsprozess aus Zuckerrohr. Das Ergebnis: 100% erneuerbarer Kohlenstoff, kontrollierte optische Reinheit des (−)-Enantiomers, reproduzierbares Profil von Charge zu Charge – unabhängig von Erntezyklen oder klimatischen Schwankungen.

Givaudan beschreibt Ambrofix™ als besonders wirkungsstarkes, substantives und stabiles Amber-Material. Auf dem Blotter bleibt es bei Dosierungen von Traces bis 2% einen Monat wahrnehmbar.


2. Wie riecht Ambrofix™?

Ambrofix™ lässt sich nur schwer mit einem einzelnen Begriff erfassen. Givaudan beschreibt das Profil offiziell mit den Facetten Ambery, Woody, Dry und Warm. Der Geruchsschwellenwert liegt laut SDS bei 0,2075 ng/l – das Molekül ist selbst in Spurenmengen wahrnehmbar.

Auf dem Duftstreifen zeigt Ambrofix™ einen trockenen, klar strukturierten Charakter: sonnengewärmtes Holz, mineralische Nuancen, warme Haut, die ruhige Eleganz klassischer Ambergris-Akkorde. Andere nehmen eine leicht tabakartige Trockenheit wahr, die dem Material zusätzliche Tiefe verleiht.

Ambrofix™ wird wahrgenommen als:

  • trockene holzige Ambra
  • warme mineralische Facetten
  • klare amberartige Ausstrahlung
  • trockene Tabaknuancen
  • transparente Woody-Amber-Tiefe
  • subtile Hautwärme
  • lang anhaltender Drydown

Geza Schoen, Parfümeur und Gründer von Escentric Molecules, beschreibt die Ambroxide-Molekülfamilie so: Sie vereint gegensätzliche Facetten in einer einzigen Verbindung – mineralisch und klar, gleichzeitig warm und animalisch. Die Ausstrahlungskraft ist unvergleichlich: ein starkes, zugleich elegantes Sillage, das jedem Duft eine eigene Dimension verleiht.

Ein bekanntes Phänomen: Etwa 20% der Menschen nehmen Ambroxide nur eingeschränkt wahr – ein genetisch bedingter partieller Anosmieeffekt. Für diese Gruppe kann das Molekül in typischen Dosierungen kaum riechbar sein.


3. Ambrofix™ und klassische Ambroxide – was ist der Unterschied?

Die Molekülstruktur (CAS 6790-58-5) ist bei allen kommerziellen Ambroxide-Produkten identisch. Der Unterschied liegt im Herstellungsweg und seinen Konsequenzen.

Klassische Ambroxide-Materialien werden semisynthetisch aus Sclareol gewonnen – einem Diterpen aus Muskatellersalbei (Salvia sclarea). Dieser Rohstoff ist von Erntebedingungen, Klima und Verfügbarkeit abhängig. Qualitätsschwankungen zwischen Chargen sind möglich.

Ambrofix™ wird über einen biotechnologischen Fermentationsprozess aus Zuckerrohr hergestellt. Givaudan kontrolliert jeden Schritt des Prozesses. Das Ergebnis: definierte optische Reinheit des (−)-Enantiomers, reproduzierbares Duftprofil, 100% erneuerbarer Kohlenstoff, leicht biologisch abbaubar (OECD 301F, 71% nach 28 Tagen), keine Ökotoxizität bis zur Löslichkeitsgrenze.

Alle Handelsnamen der Ambroxide-Familie (CAS 6790-58-5):

  • Ambrofix™ – Givaudan (biotechnologisch aus Zuckerrohr)
  • Ambermor® – IFF
  • Ambrox® Super – dsm-Firmenich
  • Ambroxan® – Kao (semisynthetisch aus Sclareol)
  • Orcanox™ – V. Mane Fils
  • Ambroxide cryst. – Symrise

Hinweis: Cetalox® (CAS 3738-00-9) ist ein anderes Molekül – eine racemische Mischung mit cremigem, moschuartigerem Profil. Nicht mit Ambrofix™ gleichzusetzen.


4. Chemie und Physik – warum Ambrofix™ so lange hält

Die außergewöhnliche Persistenz von Ambrofix™ hat physikalische Gründe:

  • Sehr niedriger Dampfdruck (0,0006 hPa bei 25°C, OECD 104) – das Molekül verdunstet extrem langsam
  • Hohes Molekulargewicht (236,4 g/mol) – schwere Moleküle bleiben länger auf Oberflächen
  • Hoher Log Pow (5,09, OECD 117) – starke Affinität zu Haut, Fasern und Wachsen
  • Chirales (−)-Enantiomer – die olfaktorisch aktive Form mit maximaler Rezeptorbindung
  • Geruchsschwellenwert 0,2075 ng/l – wahrnehmbar selbst in Spurenmengen

Weitere physikalisch-chemische Daten (Quelle: Givaudan SDS v8.1, März 2025):

  • Schmelzpunkt: 75,4°C (CoA-Testergebnis; Spezifikation 74,0–78,0°C)
  • Siedepunkt: 318°C bei 1013 hPa
  • Flammpunkt: 161°C
  • Selbstentzündungstemperatur: 260°C
  • Wasserlöslichkeit: 1,88 mg/l bei 20°C (praktisch unlöslich)
  • pH: 6,5 bei 10 g/l
  • Oberflächenspannung: 67,6 mN/m bei 21,6°C

Laut Analysenzertifikat (Herkunftsland Schweiz) liegt die Reinheit bei 99,9 % (Spezifikation ≥99,0 %, Methode ISO 7609 non-polar).


5. Dosierung und Wirkung

Ambrofix™ ist in seiner Wirkung stark konzentrationsabhängig. Givaudan gibt den Einsatzbereich offiziell mit Traces bis 2% an.

  • 0,05–0,3% – unsichtbare Fixierung, verlängert den Drydown ohne eigenen Charakter
  • 0,3–1% – subtile Amber-Tiefe, verbessert Projektion und Zusammenhalt
  • 1–2% – klare Ambrofix™-Signatur, eigenständiger Woody-Amber-Charakter
  • über 2% – Ambrofix™ dominiert die Basis, molekularer Duftcharakter

Für erste Versuche empfiehlt sich ein Einstieg bei 0,3–0,5% im Konzentrat – genug um den Charakter zu verstehen, ohne dass er die gesamte Komposition übernimmt.

In der Praxis werden deutlich höhere Dosierungen eingesetzt. Maison Francis Kurkdjian Baccarat Rouge 540 enthält laut GCMS-Analyse Ambroxan bei rund 17–18% im Konzentrat – ein Beispiel dafür, wie weit das Spektrum in der kommerziellen Parfümerie reicht.


6. Praktisch – Lösen, Lagern, Kombinieren

Lösen

  • Ambrofix™ liegt als weißes kristallines Pulver vor (Schmelzpunkt 75°C)
  • Löst sich in Ethanol, IPM, DPG – langsam, daher leicht anwärmen (max. 65°C laut Givaudan)
  • Ausreichend rühren – bei größeren Mengen mechanisches Rühren empfohlen
  • Bei über ca. 5% Konzentration in Ethanol oder DPG kann es bei Kälte kristallisieren – kein Qualitätsmangel, durch Erwärmen reversibel

Lagern

  • 10–30°C, trocken, lichtgeschützt, dicht verschlossen
  • Haltbarkeit: 24 Monate

Synergien

  • ISO E Super® – verstärkt holzige Projektion, trockene Woody-Amber-Tiefe mit Halogenton-Effekt
  • Cashmeran® – wärmt den Charakter, fügt samtartige Kaschmir-Note hinzu
  • Galaxolide 50% in DPG – rundet den Drydown ab, verbindet Ambra mit weichem Moschus
  • Sandalore™ – ergänzt die holzige Seite mit sandalholzartiger Cremigkeit
  • Hedione – öffnet die Komposition, verleiht eine luftige florale Dimension
  • Peonile™ (Givaudan-Empfehlung) – 60% Ambrofix™ + 40% Peonile™ für fruchtig-florale Amber-Basis

7. Stabilität

Ambrofix™ zeigt ★★★★★ Stabilität in allen von Givaudan getesteten Anwendungstypen – vom sauren Weichspüler bis zum alkalischen Bleichmittel:

  • Fabric Conditioner (pH 3) ★★★★★
  • Antiperspirant (pH 3,5) ★★★★★
  • Shampoo (pH 6) ★★★★★
  • APC / All Purpose Cleaner (pH 9) ★★★★★
  • Fabric Detergent Liquid (pH 9) ★★★★★
  • Soap (pH 10) ★★★★★ – Bloom in Soap ebenfalls ★★★★★
  • Powder Detergent (pH 10,5) ★★★★★
  • Liquid Bleach (pH 11) ★★★★★

Ambrofix™ ist nicht klassifiziert als gefährlicher Stoff gemäß (EG) Nr. 1272/2008. Laut Sicherheitsdatenblatt (Version 8.1, März 2025) zeigten Tierstudien keine Haut- oder Augenreizung (Kaninchen, OECD 404/405), keine Sensibilisierung (Mensch bei 5% in Petrolatum sowie Maximisation-Test am Meerschweinchen, OECD 406) und ein negatives Ergebnis im Phototoxizitätstest. Die akute orale sowie dermale Toxizität liegt jeweils über 2.000 mg/kg (Ratte bzw. Kaninchen). In ökotoxikologischen Tests an Zebrafisch und Wasserfloh wurde bis zur Löslichkeitsgrenze keine Toxizität festgestellt.


8. IFRA-Status und Regulierung

Ambrofix™ (CAS 6790-58-5) unterliegt keinen mengenmäßigen IFRA-Beschränkungen in keiner Anwendungskategorie.

Hinweis: Die auf The Good Scents Company (TGSC) genannte Empfehlung von 1% ist keine IFRA-Norm – sie ist eine persönliche Einschätzung des Datenbankbetreibers ohne normative Bedeutung.

Weitere Regulierungsdaten (Givaudan SDS v8.1, März 2025):

  • REACH-Registrierungsnummer: 01-2120070784-50
  • Nicht auf der SVHC-Kandidatenliste
  • Kein PBT- oder vPvB-Stoff
  • Keine endokrin störenden Eigenschaften (REACH Art. 57f)
  • Nicht als gefährliches Gut eingestuft (ADR/IMDG/IATA)
  • WGK 2 – nicht in Gewässer oder Kanalisation gelangen lassen

9. Geschichte – von Ambergris zu Ambrofix™

Natürlicher Ambergris – das seltene Sekret aus dem Verdauungstrakt des Pottwals – galt jahrhundertelang als einer der wertvollsten Rohstoffe der Parfümerie. Seine Wirkung: Düfte wurden tiefer, harmonischer, langlebiger. Zugleich war er selten, teuer und ethisch problematisch.

In den 1950er Jahren gelang Firmenich die erste chemische Synthese von Ambroxide aus Sclareol. Es folgten Ambroxan von Kao, Ambrox Super von Firmenich, Ambroxide von Symrise – jedes mit eigenem Profil und Verfahren, alle abhängig von pflanzlichen Rohstoffen mit ihren natürlichen Schwankungen.

Ambrofix™ markiert den nächsten Schritt dieser Entwicklung: Givaudan löst sich von der Abhängigkeit pflanzlicher Ausgangsstoffe und produziert dasselbe Molekül biotechnologisch – mit kontrollierter Reinheit, reproduzierbarem Profil und 100% erneuerbarem Kohlenstoff.

Für den Parfümeur bedeutet das: ein Material das sich heute, morgen und in zwei Jahren gleich verhält. Keine Chargen-zu-Chargen-Variationen im Duftprofil, keine Abhängigkeit von Erntejahren. Das ist kein Marketingversprechen – es ist eine Konsequenz des Herstellungsprozesses.


Häufige Fragen zu Ambrofix™

Ist Ambrofix™ dasselbe wie Ambroxan?

Ambrofix™ und klassische Ambroxan-Materialien teilen dieselbe Molekülstruktur (CAS 6790-58-5). Der Unterschied liegt im Herstellungsverfahren: Ambrofix™ wird biotechnologisch aus Zuckerrohr produziert – mit kontrollierter optischer Reinheit und 100% erneuerbarem Kohlenstoff. Klassisches Ambroxan wird semisynthetisch aus Sclareol (Muskatellersalbei) hergestellt.

Gibt es IFRA-Einschränkungen für Ambrofix™?

Nein. CAS 6790-58-5 unterliegt keinen mengenmäßigen IFRA-Beschränkungen in keiner Anwendungskategorie. Die auf TGSC genannte 1%-Empfehlung ist keine IFRA-Norm.

Wie lange bleibt Ambrofix™ wahrnehmbar?

Laut Givaudan einen Monat auf dem Blotter bei Dosierungen von Traces bis 2%. Auf der Haut ist die Persistenz von Hauttyp, Dosierung und Formulierung abhängig.

Warum riechen manche Menschen Ambrofix™ nicht?

Etwa 20% der Menschen haben eine partielle Anosmie gegenüber Ambroxide – sie nehmen das Molekül nur schwach oder gar nicht wahr. Dies ist genetisch bedingt.

Wie löst man Ambrofix™ auf?

In Ethanol, IPM oder DPG – leicht angewärmt (max. 65°C) und ausreichend gerührt. Bei über ca. 5% Konzentration kann es bei Kälte kristallisieren – durch Erwärmen reversibel.

Was ist der Unterschied zwischen Ambrofix™ und Cetalox®?

Cetalox® (CAS 3738-00-9) ist ein anderes Molekül – eine racemische Mischung mit cremigem, moschuartigerem Profil. Beide gehören zur Amber-Familie, sind aber nicht austauschbar.

Ist Ambrofix™ vegan?

Ja. Biotechnologisch aus Zuckerrohr hergestellt, ohne tierische Bestandteile.

Ist Ambrofix™ wassergefährdend?

In Deutschland als WGK 2 eingestuft – nicht in Gewässer oder Kanalisation gelangen lassen. Akute Toxizität gegenüber Wassertieren wurde bis zur Löslichkeitsgrenze nicht festgestellt. Das Material ist leicht biologisch abbaubar.

Welche Synergien empfiehlt Givaudan?

Givaudan empfiehlt 60% Ambrofix™ + 40% Peonile™ für eine fruchtig-florale Amber-Basis. In der Praxis bewähren sich auch Kombinationen mit ISO E Super®, Cashmeran® und Galaxolide.


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