Ambermax™ – Givaudans Amber-Woody-Captive

Ambermax™ von Givaudan – Die vollständige Referenz

Manche Moleküle werden jahrelang geheim gehalten, bevor sie einen Namen außerhalb eines Forschungslabors bekommen. Ambermax™ ist eines davon – ein Material, das Givaudan einst bewusst vom Markt fernhielt, das heute in einer aktuellen wissenschaftlichen Studie über das menschliche Riechsystem eine zentrale Rolle spielt, und das laut Datenbank-Einträgen bereits in 37 kommerziellen Parfüms zu finden ist.

Diese Seite erklärt die Geschichte, Chemie und Praxis von Ambermax™ – inklusive eines wichtigen Hinweises zur sicheren Handhabung.

Inhalt

  1. Die Captive-Geschichte – von 2008 bis zur Marktfreigabe
  2. Ambermax™ in der Riechforschung – eine aktuelle Studie
  3. Wie riecht Ambermax™?
  4. Chemie und physikalische Eigenschaften
  5. Dosierung und Anwendung
  6. Praktisch – Kristallisation, Lösen, Kombinieren
  7. Sicherheit und Regulierung
  8. Häufige Fragen

1. Die Captive-Geschichte – von 2008 bis zur Marktfreigabe

2008 meldete Givaudan die Marke Ambermax™ an. Jahrelang blieb das Molekül ein Captive-Material – ausschließlich den hauseigenen Parfümeuren vorbehalten und nicht im freien Handel erhältlich.

In einem 2012 veröffentlichten Bloomberg-Bericht erklärte der Givaudan-Forscher Felix Flachsmann, man werde das auf Kiefernbasis entwickelte Molekül noch mindestens ein paar weitere Jahre nicht verkaufen. Die Exklusivität sei – so Flachsmann – ein enormer Vorteil für die eigenen Parfümeure und vorteilhaft für die Parfümverkäufe.

Der Hintergrund: Die Duftindustrie suchte seit Jahrzehnten nach effektiven Alternativen zu natürlichem Ambergris – dem seltenen Duftstoff aus dem Verdauungstrakt des Pottwals. Zahlreiche Hersteller entwickelten eigene Ambergris-Ersatzstoffe; Givaudan entschied sich, Ambermax™ exklusiv zu halten, weil das Molekül als potenziell Millionen wert eingestuft wurde.

Erst Jahre später wurde Ambermax™ über den regulären Givaudan-Vertrieb verfügbar – zunächst als 50%-Lösung in Dowanol TPM, später auch als 10%-Verdünnung in Triethylcitrat (TEC). Heute gehört es laut Givaudan zur bestehenden Reihe ambriert-holziger Materialien gemeinsam mit Okoumal™, Amberketal und Ambrofix™.


2. Ambermax™ in der Riechforschung – eine aktuelle Studie

Im Oktober 2025 veröffentlichte ein Forscherteam von Givaudan – darunter erneut Felix Flachsmann – gemeinsam mit weiteren Wissenschaftlern eine Studie im Fachjournal Current Biology (Cell Press) zum Thema menschliches Riechen auf molekularer Rezeptorebene.

In der Studie wählten die Forscher den Riechrezeptor OR7C1 als Ziel für gezielte Optimierung. Dieser Rezeptor reagiert ausschließlich im Bereich von 10⁻⁵ bis 10⁻⁴ Mol auf das hochpotente Odorant Ambermax™ – mit einem Geruchsschwellenwert von 0,06 ng/l in vivo. Die Forscher nutzten dieses Verhalten als Ausgangspunkt, um die Empfindlichkeit des Rezeptors gentechnisch zu verbessern.

Dass Givaudan Ambermax™ als Referenzmolekül für diese Grundlagenforschung zum menschlichen Geruchssinn auswählte, zeigt die Wirkungskraft des Materials: Es gehört zu den potentesten bekannten Duftstoffen.


3. Wie riecht Ambermax™?

Givaudan beschreibt Ambermax™ als kraftvolle, fusionierende und substantive Amber-Note mit holzigen Zedernholz-Facetten – nach eigener Aussage die kraftvollste und effizienteste trockene Amber-Note, die je entwickelt wurde.

Ambermax™ wird wahrgenommen als:

  • trockene Holzambra
  • warme Zedernholz-Facetten
  • kompakte woody-amber Struktur
  • trockene mineralische Wärme
  • definierter Drydown
  • lang anhaltende Holzpräsenz
  • strukturierte Amberbasis

Der Geruchsschwellenwert von 0,0585 ng/l macht Ambermax™ zu einem der wahrnehmbarsten Duftstoffe – in extrem niedrigen Konzentrationen bleibt der Effekt spürbar. Im Gegensatz zu weicheren Ambermaterialien vermittelt es weniger Rundheit als Richtung, Kontur und Stabilität.

Laut Parfumo-Datenbank ist Ambermax™ in 37 kommerziellen Parfüms als Duftnote dokumentiert – meist in der Basisnote, wo es Kompositionen Struktur und Tiefe verleiht.


4. Chemie und physikalische Eigenschaften

Ambermax™ ist chemisch ein Gemisch aus zwei strukturisomeren Verbindungen: 2-(2,2,7,7-Tetramethyltricyclo[6.2.1.0(1,6)]undec-5-en-5-yl)propan-1-ol und sein Strukturisomer mit der Doppelbindung an Position 4. Die Summenformel lautet C₁₈H₃₀O bei einem Molekulargewicht von 262,4 g/mol.

Mit einem Log Pow von 6,3 zählt Ambermax™ zu den besonders lipophilen Duftstoffen – eine Eigenschaft, die zur Substantivität auf Stoff und Haut beiträgt. Givaudan hebt die Gewebesubstantivität hervor: In Tests für Wäschepflegeprodukte übertrifft Ambermax™ alle Vergleichswerte auf trockenem Stoff, weshalb es als Schlüsselbaustein für Fabric-Care-Formulierungen gilt.


5. Dosierung und Anwendung

Ambermax™ wird in sehr niedrigen Dosierungen eingesetzt, da bereits geringe Mengen die Wahrnehmung einer Formel deutlich verändern können – oft entsteht nicht der Eindruck eines zusätzlichen Duftstoffs, sondern einer klarer aufgebauten Komposition.

Anwendung findet Ambermax™ in Amber- und Woody-Amber-Kompositionen, holzigen Basisakkorden, cedarwood-orientierten Duftstrukturen, Skin-Scent-Kompositionen, Body-Care, Deodorants, Shampoo, Hair-Care und Seifen – und in Wäschepflegeprodukten, wo seine hohe Stoffsubstantivität zur Geltung kommt.

Givaudan empfiehlt Kombinationen mit anderen Materialien der gleichen Familie – ein offizielles Beispiel: 30% Ambermax™ 50%/Dowanol TPM mit 70% Kephalis ergeben eine ausgeprägte Cistus-Note mit Kiefer-, erdigen und fruchtigen Facetten.


6. Praktisch – Kristallisation, Lösen, Kombinieren

Kristallisation

Ambermax™ 50%/Dowanol TPM kann bei niedrigen Temperaturen – etwa beim Transport im Winter – auskristallisieren. Laut Sicherheitsdatenblatt liegt das Material als Flüssigkeit vor, kann jedoch kristallisieren. Sollte dies geschehen:

  • Den Behälter in einem Wasserbad bei moderater Temperatur (max. 30–40°C) erwärmen
  • Gelegentlich leicht schwenken, um eine gleichmäßige Erwärmung zu unterstützen
  • Nicht direkt erhitzen oder offener Flamme aussetzen
  • Nach dem Erwärmen kühl, aber nicht zu kalt lagern (10–30°C empfohlen)

Synergien

  • Ambrofix™ – beide Materialien aus der Givaudan Amber-Familie, ergänzen sich zu vielschichtigen Amber-Akkorden
  • Cedramber – verstärkt die Zedernholz-Facette von Ambermax™
  • Kephalis – offizielle Givaudan-Empfehlung für Cistus-Akkorde (30:70)
  • Spuren von Ambermax™ in Kombination mit anderen Ambermaterialien geben zusätzlichen Auftrieb in der Formel

7. Sicherheit und Regulierung

Anders als andere Givaudan-Materialien in unserem Sortiment ist Ambermax™ 50%/Dowanol TPM gemäß CLP-Verordnung als gefährliches Gemisch eingestuft (Signalwort "Warnung"):

  • H332 – Gesundheitsschädlich bei Einatmen
  • H315 – Verursacht Hautreizungen
  • H317 – Kann allergische Hautreaktionen verursachen
  • H410 – Sehr giftig für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung

Laut Givaudan-Sicherheitsdatenblatt ist Ambermax™ weder leicht (1% nach 28 Tagen, OECD 301F) noch inhärent biologisch abbaubar (0% nach 32 Tagen, OECD 302C). In Deutschland gilt die höchste Wassergefährdungsklasse WGK 3. Der Transport erfolgt unter UN 3082, Gefahrgutklasse 9.

Schutzhandschuhe, Schutzbrille und ausreichende Belüftung beim Umgang verwenden. Nicht in Gewässer oder Kanalisation gelangen lassen.


Häufige Fragen zu Ambermax™

War Ambermax™ wirklich eine Captive-Molekül?

Ja. Givaudan meldete die Marke 2008 an und hielt das Material laut einem 2012 veröffentlichten Bloomberg-Bericht exklusiv für die eigene Parfümerie. Heute ist Ambermax™ über den regulären Handel erhältlich.

Warum wird Ambermax™ in der Riechforschung verwendet?

In einer 2025 in Current Biology veröffentlichten Studie nutzten Givaudan-Forscher Ambermax™ als Referenzmolekül, um den Riechrezeptor OR7C1 zu untersuchen – aufgrund seines extrem niedrigen Geruchsschwellenwerts (0,06 ng/l) eignet es sich für solche Präzisionsstudien.

Was tun, wenn Ambermax™ kristallisiert?

Das Material kann bei niedrigen Temperaturen auskristallisieren. Ein Erwärmen im Wasserbad (max. 30–40°C) löst die Kristalle in der Regel wieder auf.

Ist Ambermax™ eine Ambroxan-Variante?

Nein. Ambermax™ ist chemisch ein eigenständiges Molekül, auch wenn es wie Ambroxan zur Familie der Amber-Materialien gehört.

Ist Ambermax™ gefährlich im Umgang?

Ambermax™ 50%/Dowanol TPM ist gemäß CLP-Verordnung als gefährliches Gemisch eingestuft (H332, H315, H317, H410). Schutzhandschuhe und ausreichende Belüftung werden empfohlen.

In wie vielen Parfüms wird Ambermax™ eingesetzt?

Laut Parfumo-Datenbank ist Ambermax™ in 37 dokumentierten kommerziellen Parfüms als Duftnote erfasst – meist in der Basisnote.


Ambermax™ von Givaudan kaufen →