CHOCOVAN™ AB 7244C – die Kakao-Vanille-Base
CHOCOVAN™ AB 7244C von Givaudan – Die vollständige Referenz
CHOCOVAN™ trägt Vanille im Namen, aber sein eigentlicher Wert liegt woanders: Es ist in erster Linie eine fertige Kakao-Base – und erst in zweiter Linie eine außergewöhnlich reichhaltige Vanille. Wer nur nach "Vanille" sucht, unterschätzt, was dieses Material wirklich kann.
Inhalt
- Was ist CHOCOVAN™?
- Wie riecht es?
- Warum man es überhaupt braucht
- Chemie und Physik
- Dosierung und Wirkung
- Praktisch – Lösen, Lagern, Kombinieren
- Herkunft – von Quest zu Givaudan
- Sicherheitshinweise
- Häufige Fragen
1. Was ist CHOCOVAN™?
CHOCOVAN™ AB 7244C ist keine einzelne Substanz, sondern eine fertige parfümerische Mischung (Base) von Givaudan. Der Name legt einen 50/50-Charakter zwischen Schokolade und Vanille nahe – der tatsächliche Bestandteilsschlüssel im Sicherheitsdatenblatt zeichnet ein anderes Bild: Vanillin macht 5–10 % aus, Ethylvanillin 1–5 %. Der überwiegende Teil der Mischung – nicht deklarationspflichtige Komponenten unterhalb der GHS-Meldegrenze – entfällt auf die eigentliche Kakao-Architektur, darunter laut Fachliteratur unter anderem 2,3,5-Trimethylpyrazin, das für die geröstete, kakaotypische Facette verantwortlich ist.
Kurz gesagt: CHOCOVAN™ ist in seiner Zusammensetzung in erster Linie eine Kakao-Base, der eine ausgeprägte Vanilleseite beigemischt ist – nicht umgekehrt.
2. Wie riecht es?
Das offizielle Sensory Profile von Givaudan beschreibt CHOCOVAN™ als "gourmand, vanilla-like, sweet". In der Praxis kommt der Eindruck dem Öffnen einer Dose Trinkkakao näher als einer Tafel Schokolade – trocken-pudrig statt fettig-dunkel, mit einer milden, zurückhaltenden Süße. Nichts an ihm wirkt bitter oder stark geröstet. Die Vanilleseite tritt deutlich hervor, bleibt aber der Kakao-Textur untergeordnet.
3. Warum man es überhaupt braucht
Erster Grund: ein fertiger, reproduzierbarer Kakao-Akkord. Ein glaubwürdiger Schokoladen- oder Kakao-Effekt lässt sich nur durch die sorgfältige Kombination mehrerer Einzelkomponenten aufbauen – typischerweise Pyrazine für die geröstete Facette, Vanillin und Ethylvanillin für die süße Seite, dazu Lactone für Cremigkeit. Diese Kombination von Grund auf selbst abzustimmen ist zeitaufwendig und schwer reproduzierbar. CHOCOVAN™ liefert dieses Zusammenspiel bereits fertig kalibriert – Charge für Charge nach demselben Spezifikationsfenster (siehe Chemie und Physik).
Zweiter Grund: eine vielschichtigere Vanille, als ein einzelnes Vanillin sie bietet. Reines Vanillin oder Ethylvanillin riecht relativ eindimensional. Durch die Einbettung in die Kakao-Architektur von CHOCOVAN™ wirkt die Vanilleseite runder und komplexer – mit einer pudrig-cremigen Tiefe, die einzelne Vanillematerialien allein nicht erzeugen.
4. Chemie und Physik
| Hersteller | Givaudan |
| Produktname | CHOCOVAN™ AB 7244C |
| Materialtyp | Parfümerische Mischung (Base), keine Einzelsubstanz |
| Aussehen | Farblos bis rosa, flüssig |
| Geruch | Gourmand, vanilleartig, süß |
| Dichte (20 °C) | 1,1399 g/cm³ |
| Brechungsindex (20 °C) | 1,5225 |
| Dampfdruck | 0,2021 hPa bei 20 °C (berechnet) |
| Flammpunkt | 116 °C (geschlossener Tiegel, ISO 2719) |
| Wasserlöslichkeit | Unlöslich |
| Deklarierte Hauptbestandteile | Vanillin (5–10 %), Ethylvanillin (1–5 %), 3-Methylbutyraldehyd (0,25–1 %) |
5. Dosierung und Wirkung
Der übliche Einsatzbereich liegt bei 0,1 % bis 5 %, mit einem Schwerpunkt um 0,5 %. CHOCOVAN™ ist deutlich kräftiger, als der erste Eindruck beim Beriechen vermuten lässt. In der Praxis wird empfohlen, mit einer Verdünnung (z. B. 10 % in DPG oder Ethanol) zu arbeiten, statt mit dem unverdünnten Material zu experimentieren – so lässt sich die Dosierung präzise steuern. Bereits in Spuren verleiht das Material anderen Kompositionen, etwa Iris-Akkorden, eine feine Pudrigkeit, ohne selbst als Kakao erkennbar zu werden.
6. Praktisch – Lösen, Lagern, Kombinieren
Lösen
In Wasser unlöslich. Als Flüssigkonzentrat gut mit Ethanol und gängigen Parfümlösungsmitteln mischbar.
Lagern
Bei 10–30 °C (Ambient), trocken und gut belüftet lagern. Vor Licht schützen. Behälter fest verschlossen halten.
Kombinieren
In der Praxis bewährte Partner sind Kaffee-Noten, Haselnussmaterialien (z. B. Filbertone-Typen), Lactone für zusätzliche Cremigkeit sowie Harze und Labdanum-Typen für eine orientalische Ausrichtung.
7. Herkunft – von Quest zu Givaudan
CHOCOVAN™ stammt ursprünglich nicht aus dem Hause Givaudan selbst, sondern aus dem Portfolio von Quest International, einem 1905 gegründeten niederländisch-britischen Riechstoffhersteller. Quest wurde 1997 von ICI (Imperial Chemical Industries) übernommen; die Fragrance-Sparte von Quest war in Ashford, Kent (Großbritannien), beheimatet. Im März 2007 übernahm Givaudan Quest International vollständig für rund CHF 2,8 Milliarden – eine der größten Übernahmen in der Geschichte der Riechstoffindustrie.
Bemerkenswert: Laut aktuellem Prüfzertifikat wird CHOCOVAN™ AB 7244C noch heute bei Givaudan UK Ltd. in Ashford, Kent gefertigt – also am selben Standort, an dem einst Quest Fragrances beheimatet war. Die Produktion ist damit über fast zwei Jahrzehnte hinweg am selben Ort geblieben, auch wenn sich der Firmenname geändert hat.
Die Existenz von Materialien wie CHOCOVAN™ lässt sich auch vor einem größeren Hintergrund verstehen: Natürliche Vanille – der Rohstoff, dessen Duftfacetten Vanillin und Ethylvanillin nachbilden – stammt zu rund 80 % aus Madagaskar und ist einer der volatilsten Agrarrohstoffe überhaupt. Wiederkehrende Zyklone haben in den vergangenen Jahren wiederholt große Teile der Ernte vernichtet, die Preise zeitweise auf ein Niveau vergleichbar mit dem von Silber getrieben und in den Anbaugebieten sogar organisierten Diebstahl ausgelöst – Landwirte tätowieren ihre Vanilleschoten inzwischen zur Diebstahlsicherung. Synthetische Vanillematerialien wie die in CHOCOVAN™ enthaltenen sind eine direkte Antwort der Riechstoffindustrie auf diese Instabilität: reproduzierbar, unabhängig von Ernteausfällen, ganzjährig verfügbar.
8. Sicherheitshinweise
CHOCOVAN™ AB 7244C ist nach GHS als augenreizend eingestuft (Eye Irrit. 2, H319 – verursacht schwere Augenreizung), Signalwort „Achtung". Beim Umgang mit dem unverdünnten Material wird der Kontakt mit den Augen daher besonders vermieden; eine Schutzbrille beim offenen Arbeiten ist empfehlenswert.
Zusätzlich weist das Sicherheitsdatenblatt auf ein enthaltenes Allergen hin (EUH208): Das Material enthält 3-Methylbutyraldehyd, das eine allergische Reaktion auslösen kann. Die deklarierten Bestandteile Vanillin und Ethylvanillin sind ebenfalls als augenreizend eingestuft, weisen jedoch ein toxikologisch unbedenkliches Profil auf (orale LD50 am Tier deutlich über 2.000 mg/kg).
Der Flammpunkt liegt bei 116 °C (geschlossener Tiegel, ISO 2719) – das Material zählt zu den brennbaren Flüssigkeiten, ist für den Transport jedoch nicht als Gefahrgut eingestuft. Ökologisch gilt in Deutschland die Wassergefährdungsklasse 2 – nicht in Abwasser oder Gewässer gelangen lassen.
Zum IFRA-Status der einzelnen deklarierten Bestandteile liegen uns keine eindeutigen, tagesaktuellen Beschränkungsdaten vor, die wir mit Sicherheit auf dieses spezifische Mischprodukt übertragen könnten. Für eine verbindliche Auskunft empfiehlt sich der Blick in die aktuelle IFRA-Standardsbibliothek oder die Rücksprache mit Givaudan direkt.
Häufige Fragen zu CHOCOVAN™ AB 7244C
Ist CHOCOVAN™ eher Kakao oder eher Vanille?
In erster Linie Kakao. Der Name legt einen ausgeglichenen Schokoladen-Vanille-Charakter nahe, die tatsächliche Wirkung ist jedoch die eines Trinkkakao-Akkords mit einer kräftigen, aber untergeordneten Vanilleseite.
Ist CHOCOVAN™ ein Naturstoff?
Nein, es handelt sich um eine parfümerische Mischung von Givaudan. Enthaltene Komponenten wie Vanillin und Ethylvanillin sind naturidentische, synthetisch hergestellte Aromastoffe.
Wie hoch sollte die Dosierung sein?
Der übliche Einsatzbereich liegt zwischen 0,1 % und 5 %, mit einem Schwerpunkt um 0,5 %. Das Material ist kräftiger als der erste Eindruck vermuten lässt – eine Verdünnung erleichtert die präzise Dosierung.
Enthält CHOCOVAN™ Allergene?
Laut Sicherheitsdatenblatt enthält es 3-Methylbutyraldehyd, das eine allergische Reaktion auslösen kann (EUH208).
Womit lässt sich CHOCOVAN™ gut kombinieren?
Bewährt haben sich Kaffee-Noten, Haselnussmaterialien, Lactone für zusätzliche Cremigkeit sowie Harze und Labdanum für orientalische Richtungen.
Woher stammt CHOCOVAN™ ursprünglich?
Aus dem Portfolio von Quest International, das 2007 von Givaudan übernommen wurde. Das Material wird bis heute am historischen Quest-Fragrance-Standort in Ashford, Kent, gefertigt.