Fixateur oder Lösungsmittel – was Duftfixierung wirklich ist

Zwei Patente, ein Wort, entgegengesetzter Sinn

Im Winter 1978 ließ ein deutsches Unternehmen einen Fixateur für die Parfümerie patentieren. Elf Monate später patentierte ein amerikanisches seinen eigenen – und nannte ihn fast genauso.

Die beiden Substanzen hatten nichts miteinander gemein. Die eine ist ein Duftmolekül, das ein Teil der Menschen schlicht nicht wahrnimmt. Die andere ein Zuckerderivat ganz ohne Geruch. Die Mechanismen sind entgegengesetzt: das eine wirkt über die Wahrnehmung, das andere über die Verdunstung.

Und beide Dokumente hatten recht. Das Wort, das sie benutzten, bezeichnet eben nicht ein Phänomen, sondern mehrere.

So ist es bis heute geblieben. „Fixateur“ ist der überladenste Begriff der Parfümerie: Unter ihm finden mindestens vier verschiedene physikalische Vorgänge Platz, und sie sind nicht austauschbar. Diese Seite sortiert, welche das sind und was jeder davon kann.

Die kurze Antwort

Fixateur ist ein funktionaler Begriff, kein mechanistischer. Er beschreibt das Ergebnis – der Duft hält länger – sagt aber nichts über den Weg dorthin. Daher die Verwirrung.

Mechanismus Was er tut Beispiele Dosierung
Thermodynamisch Senkt den Dampfdruck der flüchtigen Bestandteile Methylglucosid-Polyole (Glucam) 1–2,5 %
Perzeptiv Überlebt selbst die Kopfnote und erzeugt den Eindruck von Kontinuität Labdanum, Benzoe, Moschus, Ambroxan 3–25 %
Adhäsiv Haftet auf Haut oder Faser und bremst die Verdunstung mechanisch Filmbildner, Polymere systemabhängig
Schwerflüchtige Lösungsmittel Fixieren nichts. Sie verändern die Konzentration DPG, IPM, Benzylbenzoat, Diethylphthalat 20–90 %

Die ersten drei Mechanismen verlängern den Duftverlauf tatsächlich – jeder auf seine Weise. Der vierte verlängert gar nichts, obwohl Nachschlagewerke ihn in dieselbe Reihe stellen. Das ist keine Kleinigkeit: Genau darauf beruhen die meisten Enttäuschungen, wenn ein „Fixateur“ gekauft, zugegeben wurde – und nichts passiert ist.

1978: Der Fixateur, den man nicht riechen kann

Im Februar 1978 meldet die deutsche Dragoco Gerberding aus Holzminden ein Patent an mit dem Titel „Fixateur für Parfümkompositionen“. Die Substanz: 1-(2,6,6-Trimethylcyclohexyl)-hexan-3-ol. Heute ist sie als Timberol bekannt und wird als holzig-ambrierter Riechstoff verkauft.

Patentiert wurde sie aber nicht als Geruch. Patentiert wurde sie als Fixateur – und die Begründung lohnt es, ganz zu lesen:

„Die Anosmie, also die Unfähigkeit, Gerüche wahrzunehmen, die zahlreiche Menschen gegenüber diesem neuen Alkohol besitzen, ist vergleichbar mit der Wirkung verschiedener sehr teurer animalischer Fixateure wie Moschus und Amber, deren Duft ebenfalls von bestimmten Personen nur schwach oder gar nicht bemerkt wird. Das Auftreten von Anosmie gegenüber einem bestimmten Stoff, insbesondere im Bereich der Parfümerie, scheint stets auf besonders gute fixierende Eigenschaften dieses Stoffes hinzuweisen.“

Die Chemiker von Dragoco stellten eine These auf: Anosmie und Fixierkraft hängen zusammen. Und – was die Anmeldung über bloßes Marketing hinaushebt – sie führten einen Kontrollfall an. Die nahen Verwandten ihres Moleküls, iso- und n-Tetrahydromethylionol, zeigen keinerlei fixierende Wirkung. Und Anosmiefälle sind bei ihnen ebenfalls nicht bekannt.

Die These ist wacklig, als bewiesen kann sie nicht gelten. Aber sie erklärt eine auffällige Regelmäßigkeit: In der klassischen Liste der Fixateure stehen genau jene Stoffe, gegen die Anosmie verbreitet ist. Ambroxan – rund 20 % der Menschen nehmen es nicht oder nur schwach wahr. Moschus. Der Amber selbst.

Die Dosierungen im Patent sind nach heutigen Maßstäben gewaltig: 1 bis 25 %, eine deutliche Wirkung ab etwa 3 %. In der Seifenkomposition des Beispiels sind es 22,8 %. Das Ergebnis wird so formuliert: Der Zusatz „verleiht der zuvor etwas stumpf und flach riechenden Komposition einen lang anhaltenden, strahlenden und natürlichen Duft“.

Das ist Fixierung des ersten Typs in Reinform: Es wirkt nicht die Physik, sondern die Wahrnehmung.

1979: Der Fixateur als Physik

Elf Monate vergehen. Im Dezember 1979 meldet die amerikanische Amerchol Corporation ein Patent an – und nennt es ebenfalls „Polyol-Duftfixateure“. Die Substanz gehört einer völlig anderen Klasse an: Methylglucosid-Polyole. Ein Zuckergerüst mit aufgepfropften Polyetherketten. Verkauft werden sie unter dem Namen Glucam.

Der Ansatz ist der genaue Gegenentwurf. Nicht „ein Geruch, den nicht alle wahrnehmen“, sondern eine Substanz ganz ohne Eigengeruch, die in die Verdunstung eingreift.

Und hier tut das Patent etwas, das man von einem Rechtsdokument nicht erwartet. Es zählt die Fixateure seiner Zeit auf – Absolues, Resinoide, tierische Sekrete, makrocyclische und Nitromoschus – und fügt hinzu:

„Neben den vorgenannten Materialien finden sich in der Literatur Hinweise auf weitere synthetische Materialien ohne Eigengeruch als Duftfixateure, nämlich Ethylphthalat und Benzylbenzoat. Tatsächlich tragen diese Materialien wenig dazu bei, den Duft zu verstärken und zu verlängern; sie sind jedoch als schwerflüchtige Lösungsmittel für ein breites Spektrum von Duftstoffen nützlich.“

Vor fünfundvierzig Jahren, im Klartext. Genau jene Grenze, die auch heute selten gezogen wird.

Der zweite Gedanke des Patents ist nicht weniger wichtig: Klassische Fixateure „können die Natur oder den Charakter des zu fixierenden Duftes verzerren“. Sie riechen selbst – und verändern die Komposition, während sie sie verlängern. Eine geruchlose Substanz schafft dieses Problem nicht.

Und der dritte, an den heute selten gedacht wird: Löslichkeit. „Die Methylglucosid-Polyole sind in Wasser, Alkohol und Wasser-Alkohol-Systemen löslich. Die meisten Fixateure des Standes der Technik sind in Wasser unlöslich.“

Was die Prüfungen zeigten

Der Anmeldung sind Panel-Tests beigefügt. Das ist keine Werbung, sondern Datenmaterial, das beim Patentamt eingereicht wurde.

Komposition Dosis Auf der Haut Auf dem Blotter
Parfüm, aldehydisch-blumig 12 % 2,5 % 97 % 94 %
After-Bath-Splash 2,0 % 93 % 90 %
Eau de Toilette, kräutrig-holzig 8 % 2,0 % 95 % 89 %
Eau de Cologne, zitrisch-blumig 5 % 1,0 % 93 % 86 %
Stückseife 2,0 % 94 % intensiver

Die Prozentwerte geben den Anteil der Panelisten an, die gegenüber der Kontrolle ohne Zusatz eine längere Haftung feststellten. Die Hauttests liefen über ein bis sechsundneunzig Stunden.

Ein eigener Versuch galt der Schärfe des Alkohols. Denaturierter Alkohol SD-40 mit Zusatz: Bei 2 % nannten einhundert Prozent der Panelisten die Probe weniger stechend, bei 1 % waren es 83 %, bei 0,5 % noch 67 %.

Und das kommerziell aufschlussreichste Ergebnis: In einem Eau de Cologne wurde der Anteil des Parfümöls von 5 auf 4 % gesenkt und 2 % Fixateur zugegeben. 85,7 % der Panelisten hielten das Ergebnis für gleichwertig oder besser. Im Parfüm dasselbe von 12 auf 10 % – 71,5 %.

Der Ehrlichkeit halber: Das sind Selbstauskünfte von Menschen, keine gerätegestützten Messungen. Für 1979 eine normale Methodik – aber die Präzision einer Messung haben diese Zahlen nicht.

Was die Physik sagt – und wo sie schweigt

Die Lehrbucherklärung lautet: Eine schwerflüchtige Substanz senkt den Molenbruch der flüchtigen Bestandteile und damit deren Partialdruck. Das ist das Raoultsche Gesetz. Die Richtung des Effekts ist unbestritten.

Nur hört man an dieser Stelle meist auf – und genau hier beginnt die Vereinfachung.

Das Raoultsche Gesetz beschreibt ideale Lösungen. Eine Parfümkomposition ist nie ideal: Alkohole, Aldehyde, Ester, Polyole mit Wasserstoffbrücken. Das reale Verhalten beschreibt man über Aktivitätskoeffizienten, und Abweichungen von der Idealität treten in beide Richtungen auf. Zu sagen, „ein Fixateur wirkt nach Raoult“, heißt, die halbe Wahrheit zu sagen.

Selbst innerhalb der physikalischen Fixierung gibt es mehrere Mechanismen. Ullmann's Encyclopedia of Industrial Chemistry nennt nicht nur die Verdünnung, sondern auch Wasserstoffbrückenbindungen des Fixateurs zu den Komponenten. Das Coty-Patent, von dem gleich die Rede ist, fügt einen dritten hinzu – die Adhäsion am Substrat, also an Haut und Haar. Selbst offizielle Quellen führen Fixierung nicht auf einen einzigen Effekt zurück.

Daraus folgt der Schluss, für den sich die ganze Sortierung gelohnt hat: Fixierung ist kein einzelnes Phänomen. Sie mit einer Formel erklären zu wollen ist so aussichtslos, wie sie mit einem Wort zu erklären.

2021: Die Industrie wechselt das Wort

Im Juni 2020 reicht Coty eine Anmeldung ein, die so heißt: „Duftkomposition, enthaltend eine Duftkomponente und einen geruchlosen Duftmodulator“.

Das Wort „Fixateur“ ist aus dem Titel verschwunden.

Der Inhalt liest sich fast wie eine Detektivgeschichte.

Glucam wird namentlich genannt. In der Modulatoren-Tabelle lauten die ersten beiden Fußnoten: „erhältlich als GLUCAM™ P-20“ und „erhältlich als Glucam™ E-20“. Im Text steht ausdrücklich, die Komposition werde mit einer Kontrolle verglichen, der „jegliche der offenbarten geruchlosen Duftmodulatoren wie Glucam“ fehlen.

Dragoco wird ebenfalls genannt. Eine Fußnote verweist auf das Patent US 4,313,855 – eben jenes vom Februar 1978. Coty legt also beide konkurrierenden Ansätze von vor vierzig Jahren in eine einzige Tabelle.

Die Anosmie-These hat überlebt. Die Definition von „im Wesentlichen geruchlos“ schließt „Materialien, die nur von einer Minderheit wahrgenommen werden, oder solche, die für die Mehrheit als anosmisch gelten“ ausdrücklich ein. Die Vermutung der Chemiker aus Holzminden ist in die Rechtsdefinition eines heutigen Patents eingegangen.

Der Mechanismus wird zweifach benannt. Der Modulator wirkt, indem er „den Dampfdruck der Duftstoffe senkt und deren Haftung am Substrat (Haut und/oder Haar) erhöht“.

Und vor allem: Die Lösungsmittel stehen getrennt. Das Patent führt als schwerflüchtige Lösungsmittel auf: Benzylbenzoat, Diethylphthalat, Isopropylmyristat, Propylenglykol, Dipropylenglykol, Triethylcitrat. Und hält fest, dass bei der Berechnung des Duftkomponenten-Anteils „die Gesamtmenge der Duftkomponenten die schwerflüchtigen Lösungsmittel nicht einschließt“.

Coty zieht 2021 genau die Grenze, die Amerchol 1979 gezogen hat.

Nebenbei wird die Pyramide abgeschafft. Statt der subjektiven Einteilung in Kopf, Herz und Basis führt Coty eine messbare Schwelle ein: Schwerflüchtig heißt ein Dampfdruck unter 0,001 Torr bei 25 °C. Die Begründung steht im Patent selbst: Diese Methode „vermeidet das Problem unterschiedlicher Klassifizierungen desselben Materials beim traditionellen Ansatz, der sich auf den subjektiven Charakter stützt“.

Die vier Lösungsmittel, die man für Fixateure hält

Es geht um vier Substanzen: Isopropylmyristat, Dipropylenglykol, Diethylphthalat und Triethylcitrat. Alle vier sind brauchbar, notwendig und in der Parfümerie unverzichtbar. Und alle vier werden irgendwo als Fixateur geführt – in Nachschlagewerken, bei Lieferanten, in Ullmann's.

Beginnen wir mit den Zahlen, denn sie erledigen die Frage.

CAS Formel Molmasse Siedepunkt
Dipropylenglykol (DPG) 25265-71-8 C₆H₁₄O₃ 134,17 230,5 °C
Triethylcitrat (TEC) 77-93-0 C₁₂H₂₀O₇ 276,28 294 °C
Diethylphthalat (DEP) 84-66-2 C₁₂H₁₄O₄ 222,24 298–299 °C
Isopropylmyristat (IPM) 110-27-0 C₁₇H₃₄O₂ 270,45 309 °C
Glucam P-20 – zum Vergleich 61849-72-7 Polyether ≈ 1 350 (berechnet) > 316 °C

Warum Schwerflüchtigkeit nicht genügt

Alle vier Lösungsmittel sieden zwischen 230 und 310 Grad. Glucam siedet oberhalb von 316. Ein Unterschied besteht, aber kein Abgrund – in der „Schwere“ sind IPM und Glucam beinahe Nachbarn.

Also liegt es nicht an der Schwere. Die eigene Schwerflüchtigkeit ist eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung. Zum Fixateur macht eine Substanz nicht, wie ungern sie selbst verdunstet, sondern ob sie die Verdunstungsneigung der übrigen Bestandteile beeinflusst.

Ein Lösungsmittel steht einfach daneben. Ein Fixateur – zumindest nach Lesart der Patente – tritt mit den flüchtigen Bestandteilen in Wechselwirkung: über Wasserstoffbrücken, über Assoziation, über Haftung auf der Haut.

Daher auch die Enttäuschung. In einem fertigen alkoholischen Parfüm ist Ethanol das eigentliche Verdünnungsmittel, und es geht zuerst. Auf der Haut bleibt das Öl zusammen mit dem schweren Lösungsmittel zurück. Das Lösungsmittel verdünnt diesen Rest und senkt damit die Konzentration in der Luft über der Haut. Das Ergebnis: Der Duft wird leiser, nicht länger. Das Gefühl, es sei schlechter geworden, obwohl man formal einen „Fixateur“ zugegeben hat, rührt genau daher.

Eine ehrliche Einschränkung: Die Grenze ist nicht absolut, sondern fließend. Ein Teil der Branchenquellen schreibt Diethylphthalat und Triethylcitrat eine schwache fixierende Wirkung zu, und ausschließen lässt sich das nicht. Aber zwischen „schwacher, umstrittener Wirkung“ und „Fixateur“ liegt ein Unterschied, den man benennen sollte.

Dipropylenglykol

Das leichteste der vier und das billigste. Mit Wasser in jedem Verhältnis mischbar, nahezu geruchlos, Flammpunkt 121 °C. Das Standardverdünnungsmittel für Laborlösungen und Diffusoren.

Es wird häufiger als die anderen zum Fixateur erklärt – vermutlich, weil es am günstigsten ist und Einsteigern zuerst begegnet. Nach Siedepunkt ist es das flüchtigste in dieser Tabelle: 230 °C gegenüber 309 °C beim IPM.

Triethylcitrat

Ein Citronensäureester, als Lebensmittelzusatzstoff E1505 geführt. Wasserlöslich mit 65 g/l, was in dieser Gesellschaft ungewöhnlich ist. Häufig als „natürliche Alternative zu Phthalaten“ verkauft und verdrängt in dieser Rolle das DEP.

Gerade bei ihm hält sich der Ruf als Fixateur am hartnäckigsten. Der Dampfdruck ist tatsächlich niedrig – 0,00189 mm Hg. Doch ein niedriger Dampfdruck der Substanz selbst und die Senkung des Dampfdrucks der Nachbarn sind zwei verschiedene Aussagen.

Diethylphthalat

Das klassische Verdünnungsmittel der Parfümerie des zwanzigsten Jahrhunderts, jahrzehntelang Grundlage denaturierten Alkohols. Siedepunkt 298 °C, log P 2,42, in Wasser nur schwach löslich mit etwa 1 g/l.

Es ist genau jenes Ethylphthalat, das das Amerchol-Patent 1979 als Material bezeichnete, das „wenig dazu beiträgt, den Duft zu verstärken und zu verlängern“. Heute wird es aus Gründen verdrängt, die mit Parfümerie nichts zu tun haben: Als Phthalat trägt es eine regulatorische und reputative Last, und die Branche weicht auf TEC und Benzylbenzoat aus.

Isopropylmyristat

Das schwerste und höchstsiedende der vier – 309 °C. Und zugleich das offensichtlichste Nicht-Fixativ: log Pow 7,71, in Wasser praktisch unlöslich mit unter 0,05 mg/l.

Seine Stärke liegt anderswo. Eine Viskosität von 5–6 mPa·s ergibt ein feines Sprühbild, auf der Haut ist es leicht und klebt nicht. Es ist der beste Träger für Ölparfüms, Roll-ons und Sprays – und wird bei uns genau als Träger geführt, nicht als Fixateur. Leicht biologisch abbaubar: 91,4 % in 28 Tagen nach OECD 301B.

Ein Hinweis, der mit Fixierung nichts zu tun hat, aber wichtig ist: IPM gilt als komedogen und wirkt als Penetrationsverstärker. Für Parfüm am Handgelenk ist das gleichgültig, für Gesichtsprodukte nicht.

Praxis: Was wofür

Die Kopfnote bricht zu früh ab, die Komposition ist sonst gut. Eine thermodynamische Aufgabe. Glucam P-20 mit 1–2,5 % bezogen auf den alkoholischen oder wässrigen Anteil. Es bringt keinen eigenen Charakter mit und rührt die Komposition daher nicht an.

Die Basis ist leer, der Duft wirkt nach der ersten Stunde flach. Das ist keine Aufgabe für einen Fixateur im physikalischen Sinn. Hier braucht es Material mit eigenem Körper: Labdanum, Benzoe, makrocyclische Moschusverbindungen, Ambroxan. Sie bremsen die Verdunstung der Kopfnote nicht – sie geben dem, was übrig bleibt, Inhalt.

Der Alkohol sticht in der Nase und brennt auf der Haut. Eine eigene Aufgabe, die mit Haftung nichts zu tun hat. Glucam P-20 ab 1 %; laut Patent bemerkten bei 2 % alle Panelisten den Effekt.

Ein Konzentrat soll verdünnt oder ein Ölparfüm gebaut werden. Das ist die Arbeit von Isopropylmyristat, DPG, TEC oder Benzylbenzoat. Gute, notwendige Arbeit – nur eben keine Fixierung. Die Wahl zwischen ihnen entscheiden Löslichkeit, Hautgefühl und Sprühbild, nicht die Haftung.

Was ein Fixateur nicht kann

Er macht die Kopfnote nicht haltbar. Ein physikalischer Fixateur verlangsamt den Abgang der leichten Bestandteile, hebt ihn aber nicht auf. Eine Zitrusnote, die zehn Minuten lebt, kann eine halbe Stunde leben. Drei Stunden nicht.

Er rettet keine schwache Komposition. Wenn ein Duft auseinanderfällt, weil in der zweiten Stunde nichts mehr zu klingen hat, dehnt die Fixierung die Leere, statt sie zu füllen.

Er ist nie umsonst. Physikalische Fixateure glätten im Übermaß die Verdunstung bis zur Flachheit – die Komposition verliert Relief. Perzeptive werden im Übermaß schlicht hörbar und schreiben den Charakter um.

Er ersetzt die Prüfung nicht. Der einzige verlässliche Weg, die Wirkung zu beurteilen: zwei identische Ansätze, einer mit Zusatz, einer ohne, verglichen nach zwanzig Minuten und nach zwei Stunden. Der Unterschied zeigt sich am Übergang von der Kopf- zur Herznote, nicht in der ersten Minute.

Häufige Fragen

Was ist ein Fixateur überhaupt?

Ein funktionaler Begriff: Er beschreibt das Ergebnis, nicht den Mechanismus. Unter ihm sind mindestens vier verschiedene Phänomene zusammengefasst – Senkung des Dampfdrucks, perzeptive Kontinuität der Basis, Adhäsion am Substrat und bloße Verdünnung. Die ersten drei verlängern den Duftverlauf tatsächlich, das vierte nicht.

Ich habe DPG zugegeben und nichts hat sich geändert. Warum?

Weil Dipropylenglykol ein schwerflüchtiges Lösungsmittel ist und kein Fixateur. Es verdünnt und trägt die Komposition, greift aber kaum in die Verdunstung ein. Dasselbe gilt für Benzylbenzoat und Isopropylmyristat: Alle sind nützlich, nur nicht für diese Aufgabe.

Wenn ein Lösungsmittel schwerflüchtig ist, warum hält es den Duft dann nicht?

Weil die eigene Schwerflüchtigkeit eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung ist. IPM siedet bei 309 °C, Glucam P-20 oberhalb von 316 °C – der Unterschied ist gering. Zum Fixateur macht eine Substanz nicht, wie ungern sie selbst verdunstet, sondern ob sie die Verdunstungsneigung der übrigen Bestandteile beeinflusst.

Ist Triethylcitrat ein Fixateur oder ein Lösungsmittel?

Ein Lösungsmittel. Es wird oft als „natürliche Alternative zu Phthalaten“ verkauft und fast immer als Fixateur beschrieben, doch sein niedriger Dampfdruck betrifft die Substanz selbst – das ist nicht dasselbe wie die Senkung des Dampfdrucks der Nachbarn. Das Coty-Patent von 2021 führt Triethylcitrat unter den schwerflüchtigen Lösungsmitteln.

Worin unterscheiden sich Diethylphthalat und Triethylcitrat?

Praktisch kaum: Beide sieden um 295 °C, beide sind nahezu geruchlos, beide verdünnen. Der Unterschied ist regulatorisch – DEP ist ein Phthalat und trägt die entsprechende Last, TEC ist ein Citronensäureester und als E1505 zugelassen. Die Branche wechselt deshalb vom einen zum anderen, mit Haftung hat das nichts zu tun.

Stimmt es, dass Fixierung dem Raoultschen Gesetz folgt?

Teilweise. Eine schwerflüchtige Substanz senkt den Molenbruch der flüchtigen Bestandteile und damit deren Partialdruck – die Richtung stimmt. Doch das Raoultsche Gesetz beschreibt ideale Lösungen, und eine Parfümkomposition ist nicht ideal. Im Spiel sind auch Wasserstoffbrücken und die Wechselwirkung mit der Haut.

Wie hoch dosiert man einen physikalischen Fixateur?

Nach dem Amerchol-Patent 0,5 bis 5 % bezogen auf den alkoholischen oder wässrigen Anteil, vorzugsweise 1–2,5 %. Zum Vergleich: Perzeptiven Fixateuren wie Timberol räumt das Dragoco-Patent 1 bis 25 % ein.

Wozu ein geruchloser Fixateur, wenn es Labdanum und Moschus gibt?

Weil ein riechender Fixateur die Komposition verändert. Das Amerchol-Patent sagt es direkt: Klassische Fixateure „können die Natur oder den Charakter des zu fixierenden Duftes verzerren“. Eine geruchlose Substanz verlängert, ohne umzuschreiben.

Stimmt es, dass Anosmie mit Fixierkraft zusammenhängt?

Das ist eine These, die Dragoco 1978 aufstellte, kein gesicherter Befund. Sie hat allerdings vierzig Jahre überlebt: Die Definition von „im Wesentlichen geruchlos“ im Coty-Patent von 2021 schließt Materialien, die für die Mehrheit anosmisch sind, ausdrücklich ein.

Kann man mit einem Fixateur Parfümöl einsparen?

Nach dem Amerchol-Patent ja. In einem Eau de Cologne wurde der Ölanteil von 5 auf 4 % gesenkt und 2 % Fixateur zugegeben; 85,7 % der Panelisten hielten das Ergebnis für gleichwertig oder besser. Einschränkung: Das sind Selbstauskünfte von 1979, keine gerätegestützten Messungen.

Quellen

  • US 4324703 A – Polyol fragrance fixatives, Amerchol Corp, 1982
  • US 4252986 A und US 4313855 A – Fixative for perfume compositions, Dragoco Gerberding, 1981–1982
  • WO 2021/247838 A1 – Fragrance composition comprising a fragrance component and a non-odorous fragrance modulator, Coty Inc, 2021
  • W. Sturm, K. Peters, „Perfumes“, Ullmann's Encyclopedia of Industrial Chemistry
  • CRC Handbook of Chemistry and Physics, 95. Auflage – Siedepunkte
  • PubChem, CID 6781, 6506, 8042

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