Habanolide® – Patent, Zwilling und Umweltdaten

Habanolide® – Patent, Zwilling und Umweltdaten

Ein Rohstoff, der seit über drei Jahrzehnten im Handel ist und bei der Konkurrenz einen fast identischen Zwilling hat. Die Geschichte von Habanolide® ist eine Recherche in Widersprüchen – vom Patent über das Konkurrenzprodukt bis zu den Umweltdaten.

Inhalt

  1. Das Patent hinter Habanolide
  2. Die zweite Generation des Hauses
  3. Der Zwilling bei der Konkurrenz
  4. Was die Umweltbehörden wirklich maßen
  5. Wo Habanolide tatsächlich steckt
  6. Häufige Fragen

1. Das Patent hinter Habanolide

Firmenich meldete am 27. Oktober 1989 in der Schweiz die Verwendung ungesättigter makrozyklischer Lactone als Riechstoffe an. Daraus wurde das europäische Patent EP 0 424 787 B1 (Erfinder: Peter Fankhauser und Piero Fantini, erteilt 1996). Anspruch 1 schützt eine Mischung mit mindestens 60 % Pentadecenoliden, deren Doppelbindung in Position 11 oder 12 E-konfiguriert ist – darunter das trans-Pentadec-12-en-15-olid, chemisch (12E)-Oxacyclohexadec-12-en-2-on: Habanolide. Der Name täuscht leicht: „Pentadecenolid“ zählt die 15 Kohlenstoffatome, mit dem Sauerstoff hat der Ring 16 Glieder. Das Patent ist 2010 abgelaufen.

Damit ordnet sich auch die Zeitlinie: Entwicklung in den späten 1980er-Jahren, Patentanmeldung 1989, Eintragung der Marke Habanolide® am 5. März 1992 (Nr. 584055). Die Angabe „1969“ aus einer einzelnen Fachdatenbank passt dazu nicht.

2. Die zweite Generation des Hauses

dsm-firmenich nennt sich selbst das „House of Musk" – mit Verweis auf den Nobelpreis für Chemie 1939, den Leopold Ružička für die Aufklärung der Struktur großer Ringmoleküle wie Muscon und Civeton erhielt. Diese frühe Generation makrozyklischer Moschusnoten wurde in der Natur gefunden und in den 1920er/30er-Jahren isoliert: Exaltolide® (aus Angelikawurzelöl), Muscon (aus der Moschusdrüse des Moschushirschs), Civeton (aus dem Sekret der Zibetkatze).

Habanolide gehört zu einer zweiten, jüngeren Gruppe: synthetischen Molekülen, die ab Ende der 1980er gezielt in den Firmenich-Forschungslaboren entstanden – zusammen mit Exaltenone® und Muscenone® Delta. Der strukturelle Unterschied zur ersten Generation ist konkret: Exaltolide ist ein gesättigtes 16-gliedriges Lacton, Habanolide trägt im selben Ring eine Doppelbindung. Die gezielt eingebaute Doppelbindung ist dabei kein Zufall: Bei makrozyklischen Moschusverbindungen gilt ganz allgemein, dass ungesättigte Varianten geruchsintensiver wirken als ihre gesättigten Vorläufer.

3. Der Zwilling bei der Konkurrenz

Wer sich in Rohstoff-Datenbanken durch makrozyklische Moschusnoten liest, stößt irgendwann auf eine verwirrende Beobachtung: Symrises Globalide® (CAS 34902-57-3) taucht in manchen Quellen praktisch als Synonym von Habanolide auf. Das ist eine Vereinfachung, aber keine reine Erfindung.

Die unabhängige Sicherheitsbewertung des Research Institute for Fragrance Materials (RIFM) – veröffentlicht in Food and Chemical Toxicology, Band 164, 2022, unter dem Titel „Oxacyclohexadecen-2-one, CAS Registry Number 34902-57-3" – führt CAS 111879-80-2 (Habanolide) explizit als Isomer von CAS 34902-57-3 (Globalide) auf, mit der Begründung: „Included because the materials are isomers." Beide haben dieselbe Summenformel C15H26O2 und dasselbe 16-gliedrige Ringsystem, unterscheiden sich aber in Position und Geometrie der Doppelbindung. Symrise selbst listet in seinen Produktangaben zu Globalide interessanterweise beide CAS-Nummern gleichzeitig (34902-57-3 und 111879-80-2) und beschreibt das Material als „Isomerengemisch" – während die Herstellerangaben für Habanolide ausschließlich CAS 111879-80-2 nennen, also das spezifische (12E)-Isomer.

Die für Endkunden relevante Übersetzung: Habanolide und Globalide sind zwei eigenständig registrierte, konkurrierende Handelsmarken für strukturell und olfaktorisch sehr eng verwandte Materialien – keine Umetikettierung eines identischen Rohstoffs, aber auch keine grundverschiedenen Duftstoffe.

4. Was die Umweltbehörden wirklich maßen

In Herstellerangaben kursieren für Habanolide teils stark abweichende physikalisch-chemische Werte. Die aufschlussreichste unabhängige Quelle ist ein australischer Behördenbericht: der Full Public Report SN/10 des National Industrial Chemicals Notification and Assessment Scheme (heute AICIS), veröffentlicht am 22. August 2002, basierend auf einer Reihe von GLP-Studien der Labore Safepharm Laboratories, Toxicol Laboratories und Kurume Research Laboratories.

Zwei Diskrepanzen fallen dabei besonders auf. Erstens der Verteilungskoeffizient log P: Der Hersteller nennt 5,45, die unabhängige HPLC-Messung von Safepharm Laboratories kam dagegen auf „>6,2" – die Messung erreichte die obere Kalibriergrenze der Methode (der Referenzstandard DDT bei log Kow ≈ 6,2), sodass der wahre Wert eher noch höher liegen könnte. Zweitens der Dampfdruck: 0,00003 Pa laut Hersteller gegenüber 0,16 Pa laut Safepharm Laboratories bei 25 °C – ein Faktor von rund 5000. Eine Erklärung, die über eine bloße Methodenungenauigkeit hinausgeht, ließ sich in dieser Recherche nicht abschließend finden; am wahrscheinlichsten ist eine Einheiten- oder Übertragungsungenauigkeit auf einer der beiden Seiten.

Eindeutiger sind die ökotoxikologischen Messwerte desselben Berichts: akute Toxizität für Regenbogenforelle LC50 = 2,4 mg/L (96 h), für Daphnia magna LC50 = 0,88 mg/L (48 h), Algenwachstumshemmung EbC50 = 2,4 mg/L (72 h) – Werte, die zur strengen GHS-Einstufung „Aquatic Acute 1" (H400/H410) führen. Gleichzeitig zeigt Habanolide mit 92 % Abbau in 28 Tagen (OECD 301C) und 99 % inhärenter Abbaubarkeit (OECD 302A) eine für ein derart lipophiles Molekül überraschend gute biologische Abbaubarkeit. Die Behörde selbst kommt in ihrem Fazit zu dem Schluss, dass trotz des theoretischen Bioakkumulationspotenzials (rechnerisch log BCF ≈ 4,6, keine direkte Messung) beim berichteten Verwendungsmuster kein Umweltrisiko zu erwarten sei.

5. Wo Habanolide tatsächlich steckt

Offizielle, vom Hersteller oder in einem Patent veröffentlichte Ingredienzlisten mit Habanolide waren in dieser Recherche nicht auffindbar – Duftformeln sind fast immer Betriebsgeheimnis. Was sich dagegen klar belegen lässt: Laut Hersteller-Pressemitteilung harmoniert Habanolide besonders gut mit den erneuerbaren Moschusmolekülen Helvetolide® und Romandolide® – eine Kombinationsempfehlung, die sich direkt in unserem Sortiment nachvollziehen lässt.

Häufige Fragen

Ist Habanolide dasselbe wie Globalide von Symrise?

Nicht identisch, aber eng verwandt: Beide sind makrozyklische Lactone mit der Summenformel C15H26O2, von der unabhängigen Sicherheitsbewertung RIFM offiziell als Isomere geführt. Habanolide (CAS 111879-80-2) ist das spezifische (12E)-Isomer, Globalide (CAS 34902-57-3) eine breiter gefasste, historisch ältere Isomerenmischung.

Gibt es ein Patent auf Habanolide?

Ja. EP 0 424 787 (Firmenich, Priorität 1989) schützt die Verwendung von trans-Pentadec-11/12-en-15-oliden als Riechstoffe – dazu gehört Habanolide. Das Patent ist 2010 abgelaufen.

Wann wurde Habanolide entdeckt?

Ein genaues Entdeckungsjahr ist nicht veröffentlicht. Das Patent wurde 1989 angemeldet, die Marke 1992 eingetragen – die Entwicklung fällt also in die späten 1980er.

Warum ist Habanolide als umweltgefährlich eingestuft, obwohl es biologisch abbaubar ist?

Die GHS-Einstufung H400/H410 basiert auf der akuten Toxizität für Wasserorganismen (z. B. Daphnia magna LC50 0,88 mg/L), nicht auf der Abbaubarkeit. Beide Eigenschaften – hohe akute Toxizität im Wasser und gute biologische Abbaubarkeit (92 % in 28 Tagen) – schließen sich chemisch nicht aus und treffen laut unabhängiger Behördenbewertung (AICIS) beide zu.


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