Hedione® – das Jasmin-Molekül aus Eau Sauvage
Hedione® von dsm-firmenich – Die vollständige Referenz
Es gibt Moleküle, die ein Parfum verändern. Und es gibt Hedione – ein Molekül, das die gesamte Parfümerie verändert hat, ohne dass die meisten Menschen je seinen Namen gehört haben.
Inhalt
- Was ist Hedione?
- Wie riecht es?
- Herkunft – Von der Jasminblüte zu Eau Sauvage
- Die vier Isomere – ein unterschätztes Detail
- Rolle in der Formel
- Dosierung nach Anwendungsbereich
- Kurzreferenz: Chemie und Sicherheit
- Weiterführende Fragen
1. Was ist Hedione?
Hedione ist der Markenname von dsm-firmenich (vormals Firmenich) für Methyl Dihydrojasmonate (MDJ), ein synthetisches Riechstoffmolekül mit transparentem, jasminartigem Charakter. Der Name leitet sich vom griechischen Wort "hedone" ab – Vergnügen, Wohlgefallen. Unter dem Namen Hedione führen wir das Original von dsm-firmenich; dieselbe Substanz ist in der Fachliteratur auch unter der generischen Bezeichnung MDJ bekannt.
2. Wie riecht es?
Hedione riecht floral, jasminartig, mit einem erfrischenden Zitrus-Hauch – laut Hersteller ein eleganter, transparenter Effekt, der an weiße Blüten erinnert. Der Charakter ist ungewöhnlich schwer zu greifen: Hedione riecht selten nach "etwas Bestimmtem", sondern eher nach Luft, Licht und Weite. Wer das Molekül zum ersten Mal auf dem Blotter riecht, beschreibt oft zunächst kaum etwas Wahrnehmbares – erst im Zusammenspiel mit anderen Materialien entfaltet sich seine eigentliche Wirkung.
3. Herkunft – Von der Jasminblüte zu Eau Sauvage
Die Geschichte beginnt 1957 bei Firmenich in Genf. Der Chemiker Edouard Demole untersuchte im Rahmen seiner Doktorarbeit die Mikrokomponenten des Jasmin-Konkrets (Jasminum grandiflorum) – ein Auftrag von Firmenich-Chef Roger Firmenich selbst. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits rund 87 % der Zusammensetzung von Jasminöl bekannt, doch die bekannten Bestandteile allein erklärten den charakteristischen Duft nicht vollständig. Etwas fehlte.
Demole identifizierte Methyl Jasmonate als bislang unentdeckten Bestandteil – verantwortlich für einen zentralen Teil des Jasmin-Charakters, obwohl es nur zu etwa 0,8 % im natürlichen Öl enthalten ist. 1958 synthetisierte er die dihydrierte Variante, die später den Namen Hedione erhielt. 1960 wurde das Molekül patentiert, 1961 lief die erste Charge von 50 kg vom Band.
Der eigentliche Durchbruch kam erst Jahre später – und auf ungewöhnlichem Weg. Firmenich verschickte Muster des neuen Materials an bekannte Parfümeure der Zeit, darunter Edmond Roudnitska. Der Firmenich-Meisterparfümeur Jacques Cavallier erzählt eine Geschichte aus seiner Kindheit: Sein Vater, ebenfalls Parfümeur, hatte ein für Roudnitska bestimmtes Muster mit nach Hause gebracht und ließ den jungen Cavallier daran riechen. Zunächst roch er nichts. Sein Vater riet ihm, den Blotter über Nacht neben sein Bett zu legen. Am nächsten Morgen, so erinnert sich Cavallier, weckte ihn ein Duft – die Eleganz eines morgendlichen Jasminfelds, grüner und weniger animalisch als er es kannte.
Roudnitska entschied sich, Hedione bei rund 2,5–3 % in seine neue Komposition für Dior einzusetzen: Eau Sauvage, lanciert 1966. Der Duft wurde zu einem der einflussreichsten Herrendüfte des 20. Jahrhunderts und öffnete Hedione die Tür in die Fine Fragrance. In den 1970er Jahren wurde das Material bereits tonnenweise produziert.
4. Die vier Isomere – ein unterschätztes Detail
Methyl Dihydrojasmonate existiert nicht als einzelne Struktur, sondern als Gemisch aus vier Isomeren – zwei Enantiomerenpaare, die durch Epimerisierung an einem der chiralen Kohlenstoffatome ineinander übergehen können. Die vier Isomere unterscheiden sich erheblich in ihrer Geruchsintensität: Das (+)-cis-Isomer besitzt mit einer Erkennungsschwelle von rund 15 ppb die mit Abstand höchste Intensität und liefert die charakteristische florale Strahlkraft. Das (−)-trans-Isomer ist erst bei einer rund 16-fach höheren Konzentration wahrnehmbar; die übrigen beiden Isomere riechen nur sehr schwach.
Dieses "Ballast" der schwächeren Isomere war lange eine technische Grenze für die Konzentration der Strahlkraft, die sich aus dem Material herausholen ließ – ein Detail, das die spätere Entwicklung konzentrierterer Varianten mit erhöhtem cis-Isomer-Anteil in der Riechstoffindustrie motivierte.
5. Rolle in der Formel
Hedione wirkt selten als eigenständige Note – seine eigentliche Stärke liegt in der Verstärkung anderer Materialien. Laut Firmenich-Riechstoffchemiker Christian Chapuis machte Hedione Kompositionen "runder, floraler und diffusiver" und verlieh ihnen eine größere Fähigkeit, einen Raum mit Duft zu füllen, verglichen mit Formeln ohne dieses Material.
In der Praxis wird Hedione in einem sehr breiten Dosierungsfenster eingesetzt – von wenigen Prozent bis in zweistellige Bereiche, abhängig vom gewünschten Effekt: leicht dosiert bringt es Transparenz und Auftrieb, ohne selbst erkennbar zu werden; höher dosiert entfaltet es einen eigenständigen, luftig-jasminartigen Charakter. Es ist ein klassischer Baustein für Jasmin- und Weißblüten-Rekonstruktionen und dient darüber hinaus als Filler, der eine Formel harmonisch auffüllt und zugleich Raum zwischen den anderen Komponenten schafft – wie ein olfaktorisches Lösungsmittel, das Licht in eine sonst dichtere Komposition bringt. Mit einem LogP (log Kow) von 2,93 laut aktuellem Sicherheitsdatenblatt zeigt das Molekül eine moderate Fettlöslichkeit, die zu seiner charakteristischen Diffusion und Substantivität beiträgt.
6. Dosierung nach Anwendungsbereich
Der oft zitierte allgemeine Richtwert von 2–15 % gibt nur einen groben Rahmen wieder. Herstellerseitige Konzentrationsempfehlungen zeigen ein deutlich breiteres und anwendungsspezifisches Bild:
| Fine Fragrance | 12–38 % |
| Shampoo | 8–20 % |
| Duschgel | 8–23 % |
| Seife | 5–17 % |
| Waschmittel | 3–13 % |
| Weichspüler | 4–13 % |
| APC (Allzweckreiniger) | 2–8 % |
| Kerzen | 5–17 % |
Bemerkenswert ist vor allem die Fine-Fragrance-Spanne: Mit bis zu 38 % ist Hedione dort keineswegs eine unsichtbare Spurenkomponente, sondern kann einen substantiellen Anteil der gesamten Formel ausmachen – ein Beleg dafür, wie sehr sich das Material als struktureller Baustein und nicht nur als dezenter Auftrieb einsetzen lässt.
7. Kurzreferenz: Chemie und Sicherheit
Die vollständigen physikalisch-chemischen Daten sowie die Sicherheitshinweise finden Sie in der Produktkarte. Zusammengefasst: ein florales Molekül von dsm-firmenich, laut aktuellem Sicherheitsdatenblatt (Firmenich Grasse SAS, Version 10.1, 2025) nicht als gefährlich gemäß CLP-Verordnung eingestuft – keinerlei Etikettierung erforderlich –, mit einem allgemeinen Einsatzbereich von 2–15 % – in Fine Fragrance sind jedoch Konzentrationen bis 38 % üblich.
Häufige Fragen zu Hedione
Ist Hedione dasselbe wie MDJ?
Ja. MDJ (Methyl Dihydrojasmonate) ist die chemische Kurzbezeichnung derselben Substanz, für die Hedione der Markenname von dsm-firmenich ist.
Was bedeutet "Kharismal"?
Kharismal ist ein weiterer, in der Fachliteratur gelegentlich verwendeter Name für Methyl Dihydrojasmonate.
Gibt es eine höhercisige Variante von Methyl Dihydrojasmonate?
Ja. Neben dem Original-Hedione führen wir mit Methyl Dihydrojasmonate 80/20 (High-Cis) eine Qualität mit besonders hohem Cis-Anteil (78–100 %) – für maximale Ausstrahlung, Diffusion und Transparenz.
In welchem Parfum wurde Hedione erstmals eingesetzt?
In Eau Sauvage von Dior (1966), komponiert von Edmond Roudnitska, bei einer Dosierung von rund 2,5–3 %.
Wie hoch sollte die Dosierung sein?
Der allgemeine Richtwert liegt bei 2–15 %. Herstellerseitige Empfehlungen variieren jedoch stark je nach Anwendung: in Fine Fragrance werden 12–38 % genannt, in funktionalen Produkten wie Waschmitteln oder Allzweckreinigern eher 2–13 %.
Ist Hedione als gefährlich eingestuft?
Nein. Laut aktuellem Sicherheitsdatenblatt von Firmenich Grasse SAS (Version 10.1, 19.08.2025) ist Hedione nicht als gefährlich gemäß CLP-Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 eingestuft – keinerlei Etikettierung erforderlich. Die Substanz birgt kein physikalisches Risiko, keine Gesundheitsgefährdung und kein Umweltrisiko unter normalen Verwendungsbedingungen.
Warum riecht Hedione manchmal kaum wahrnehmbar?
Das Molekül liegt als Gemisch aus vier Isomeren vor, deren Geruchsintensität stark variiert. Die Erkennungsschwelle des stärksten Isomers liegt bei rund 15 ppb – deutlich niedriger als bei den schwächeren Isomeren, wodurch der Gesamteindruck je nach Verdünnung und individueller Wahrnehmung unterschiedlich ausfallen kann.