Javanol™ – das stärkste Sandelholz-Molekül

Javanol™ von Givaudan – Die vollständige Referenz

Die Parfümerie sucht seit über hundert Jahren nach einem Sandelholz, das sich herstellen lässt. Javanol™ ist der bislang letzte und zugleich radikalste Versuch: kein Nachbau des Naturstoffs, sondern ein Molekül, das genau die Facette isoliert und verstärkt, wegen der Sandelholz überhaupt begehrt ist. Diese Referenz erklärt, was es chemisch ist, warum es so riecht, wie es riecht, und wie man damit arbeitet.

Inhalt

  1. Was ist Javanol™?
  2. Der Name: Java
  3. Fünfundsechzig Jahre in einer Tabelle
  4. Wie riecht es?
  5. Die rosige Facette – und was darüber wirklich belegt ist
  6. Die Chemie: warum ein Dreiring
  7. Rolle in der Formel
  8. Woraus es hergestellt wird
  9. Das Wettrennen um Sandelholz
  10. Javanol™ und Javanol™ Super
  11. Javanol™ als Hauptdarsteller
  12. Handhabung: Kristallbildung und Lagerung
  13. Kurzreferenz: Chemie und Sicherheit
  14. Weiterführende Fragen

1. Was ist Javanol™?

Javanol™ (CAS 198404-98-7) ist ein synthetischer Cyclopropyl-Alkohol mit der Summenformel C₁₅H₂₆O und einer Molmasse von 222,37 g/mol. Der vollständige chemische Name lautet (1-Methyl-2-(1,2,2-trimethylbicyclo[3.1.0]hex-3-ylmethyl)cyclopropyl)methanol; im Handel liegt das Material als Mischung von Diastereoisomeren vor.

Zwei Strukturmerkmale erklären fast alles, was Javanol™ ausmacht. Erstens zwei Cyclopropanringe – gespannte Dreiringstrukturen, die in Riechstoffen selten sind. Zweitens das vollständige Fehlen von Doppelbindungen. Doppelbindungen sind in Riechstoffen die typische Sollbruchstelle: Sie oxidieren, sie werden von Bleiche angegriffen, sie vergilben. Javanol™ hat keine – und ist deshalb in nahezu allen Anwendungsbasen stabil.

Der veröffentlichte Geruchsschwellenwert liegt bei 0,02 ng/l (Gautschi, Bajgrowicz & Kraft, CHIMIA 2001, 55, 379–387, Abb. 3). Das ist der niedrigste Wert, der für ein Sandelholzmolekül berichtet wurde. Bajgrowicz selbst formuliert es so: die Schwelle sei „die niedrigste unter allen berichteten sandelholzriechenden Riechstoffen und mehr als zwanzigmal niedriger als die von (Z)-(−)-β-Santalol“ (Perfumer & Flavorist 2007, 32, Januar, 32–37).

2. Der Name: Java

Der Name ist keine Marketingerfindung, sondern eine Widmung. Jerzy A. Bajgrowicz, der Chemiker, der das Molekül entwickelt hat, hat sie selbst erklärt: der Name sei gewählt worden, um an die „ausgezeichnete Qualität des javanischen Sandelholzöls“ zu erinnern, das „leider für parfümerische Kreationen nicht mehr verfügbar“ sei.

Das Molekül ist also nach dem benannt, was es ersetzen soll. Wer den Namen kennt, hört darin eine Erinnerung.

3. Fünfundsechzig Jahre in einer Tabelle

Die veröffentlichten Geruchsschwellen der Sandelholz-Riechstoffe lassen sich in einer Reihe lesen – als Chronik eines langen Wettlaufs (Quelle: CHIMIA 2001, Abb. 3):

Material Jahr Geruchsschwelle
(−)-(Z)-β-Santalol (natürlich) 1935 0,5 ng/l
Sandela 1960 8,3 ng/l
Osyrol 1973 49 ng/l
Sandalore™ 1976 3,1 ng/l
Sandal Mysore Core 1978 0,1 ng/l
Polysantol 1984 0,2 ng/l
Ebanol™ 1986 0,2 ng/l
Javanol™ 2000 0,02 ng/l

Bemerkenswert sind die ersten Jahrzehnte: Die frühen Synthetika waren schwächer als der Naturstoff. Erst die Derivate des Campholenaldehyds – die Familie um Sandalore™, Polysantol und Ebanol™ – zogen an der Natur vorbei. Javanol™ steht am Ende dieser Reihe.

4. Wie riecht es?

Das offizielle Sensory Profile von Givaudan nennt vier Deskriptoren: woody, sandalwood, creamy, rose – dazu powerful.

Bajgrowicz beschreibt das Profil genauer: dem β-Santalol nahe, mit einer trocken-holzigen, leicht vetiverartigen Nuance und zusätzlichen floral-rosigen sowie cremig-moschusartigen Facetten.

Im Verlauf trennen sich die Ebenen: Die Rose verflüchtigt sich zuerst, zurück bleibt milchige Wärme – Sandelholz auf seinen Kern reduziert. Auf dem Blotter ist das Material über einen Monat wahrnehmbar.

Praktischer Hinweis zur Beurteilung: Javanol™ pur aus dem Fläschchen zu riechen führt in die Irre. Bei dieser Schwelle ist der Eindruck überladen und die rosige Facette kaum von der holzigen zu trennen. Sinnvoll ist eine Verdünnung von 1 % oder darunter – erst dort zeigt sich, was das Material in einer Formel tatsächlich tut.

5. Die rosige Facette – und was darüber wirklich belegt ist

Dass Javanol™ eine rosige Facette besitzt, ist unstrittig: Sie steht im Sensory Profile des Herstellers und in Bajgrowicz' eigener Beschreibung.

Weit verbreitet ist eine Erklärung dafür: Javanol™ passe so gut in die Sandelholz-Rezeptoren, dass es diese schon bei niedriger Konzentration sättige; danach sprächen weniger spezifische Rezeptoren mit an, die unter anderem für lactonige Noten, Rose, Maiglöckchen und Grapefruit kodieren.

Diese Erklärung stammt aus einem Interview mit dem Riechstoffchemiker Philip Kraft, veröffentlicht im Blog einer Parfümmarke. Sie ist plausibel und stammt von einem ausgewiesenen Fachmann – aber sie ist nicht in der Fachliteratur veröffentlicht, und in den einschlägigen Arbeiten von Bajgrowicz, Fráter und Kraft kommt sie nicht vor. Wir geben sie deshalb als Deutung wieder, nicht als gesicherten Mechanismus.

Ebenfalls verbreitet, aber in keiner Quelle auffindbar, ist die Angabe, Javanol™ „kippe bei Überdosierung ins Rosige“. Was praktisch bleibt: Wer die rosige Seite nicht möchte, dosiert niedriger oder gleicht mit Lactonen, Amber- und trockenen Holzmaterialien aus.

6. Die Chemie: warum ein Dreiring

Sandelholzriechende Moleküle lassen sich fast alle in drei Bausteine zerlegen – in Bajgrowicz' Worten „die sogenannte osmophore polare Hydroxylgruppe, über einen Spacer mit einem sperrigen, lipophilen Rest verbunden“:

  • eine polare Hydroxylgruppe – der Osmophor, die Stelle, die den Rezeptor anspricht
  • einen Spacer – das flexible Zwischenstück
  • einen großen, lipophilen Rest – die Masse des Moleküls

Weil die Gesamtform eines solchen Moleküls vor allem vom Spacer abhängt, wurde genau dieser Teil zum Gegenstand der Untersuchungen bei Givaudan. Bajgrowicz ersetzte die Doppelbindung im Spacer durch einen Cyclopropanring – eine „versteifende und elektronenreiche“ Struktur. Der Dreiring behält die Starrheit der Doppelbindung bei und verändert zugleich die Elektronenverteilung; Kraft und Kollegen schreiben, die beiden Cyclopropanringe „modifizieren die elektronische Form in günstiger Weise“. Ein Geruchsrezeptor nimmt eben nicht die Silhouette eines Moleküls wahr, sondern seine elektronische Form.

Die gleichzeitige Einführung eines zweiten Dreirings in den sperrigen Teil erwies sich, so Bajgrowicz, als „noch besser“. Das beste Produkt aus dieser Reihe wurde Javanol™ genannt.

Wichtige Einschränkung: Dieser Kunstgriff ist kein allgemeines Rezept. Stappen und Mitarbeiter führten dieselbe Substitution am β-Santalol selbst durch – Doppelbindung gegen Cyclopropan – und der Sandelholzgeruch verschwand vollständig: Das (Z)-Isomer roch würzig-süß, das (E)-Isomer lediglich holzig (Eur. J. Med. Chem. 2008, 43, 1525–1529). Javanol™ ist also kein Ergebnis einer Regel, sondern ein Treffer.

Industriell hergestellt wird das Molekül über eine doppelte Simmons-Smith-Cyclopropanierung – laut CHIMIA 2001 „eine Seltenheit in der chemischen Industrie“. Die Ausbeute dieser Stufe beträgt in der Patentschrift 48 %.

7. Rolle in der Formel

Der offizielle Einsatzbereich reicht von Spuren bis 2 % im Konzentrat. Die praktisch relevante Zahl ist eine andere: Bereits unter 0,1 % bringt Javanol™ Fülle und Cremigkeit in nahezu jeden Akkord. Givaudan gibt an, dass das Material in Waschtests etwa achtmal wirksamer ist als das stärkste bekannte konkurrierende Sandelholzprodukt.

Daraus ergeben sich zwei unterschiedliche Anwendungsarten:

  • Als Sandelholz-Note – in Sandelholz-Akkorden, holzigen Basen und Rekonstruktionen, dort in der Regel im Bereich 0,1 bis 2 %.
  • Als strahlender Fixateur – in Spuren unterhalb von 0,1 %, wo Javanol™ moschusartige, florale und würzige Akkorde trägt und ihnen Volumen gibt, ohne selbst als Sandelholz erkennbar zu werden.

Die zweite Anwendung wird oft unterschätzt. Ein Weißblüten-Akkord mit 0,05 % Javanol™ riecht nicht nach Sandelholz – er riecht nur voller und hält länger.

Wie Parfümeure damit arbeiten

Der Ausgangspunkt jeder Sandelholzarbeit ist eine Nüchternheit: Der Geruch von natürlichem Sandelholzöl lässt sich mit einem einzelnen Molekül nicht abbilden. Er entfaltet sich während der Verdunstung und verhält sich in jeder Anwendungsbasis anders. Deshalb arbeitet man mit einer Mischung mehrerer synthetischer Sandelholzmaterialien, deren Zusammensetzung sich nach der geforderten Leistung richtet.

Javanol™ dient dabei als Rückgrat. Ergänzt wird es durch diffusivere Materialien aus den Familien um Polysantol und Ebanol™, mit denen sich der gewünschte Effekt gezielt einstellen lässt.

Drei Dosierungshinweise aus der Praxis von Givaudan-Parfümeuren:

  • Schon 0,02 % wirken als Booster: zusätzliches Volumen und bessere Substantivität für eine klassisch gebaute Sandelholzkomposition.
  • In Chypres und in floralen Bouquets jasmin- oder rosendominierter Art verstärkt eine sehr kleine Menge den Reichtum und trägt Herz und Basis gleichermaßen.
  • Zu Moschus gegeben – in Anteilen von Zehntausendsteln – verstärkt es dessen Wärme und gibt der ganzen Komposition eine Art Vibration. In Waschmitteln ist dieser Effekt sowohl auf feuchter als auch auf trockener Wäsche wahrnehmbar.

Dokumentierte Synergie

Givaudan führt eine offizielle Kombination auf: 20 % Javanol™ mit 80 % Nectaryl. Das Ergebnis wird als die Anmutung eines frisch angespitzten Bleistifts beschrieben, angereichert um überraschende Pfirsich- und Patchouli-Inflexionen.

Stabilität nach Anwendungsbasis

Basis pH Stabilität
Weichspüler 3 sehr gut
Antitranspirant 3,5 sehr gut
Shampoo 6 sehr gut
Allzweckreiniger 9 sehr gut
Flüssigwaschmittel 9 sehr gut
Seife 10 sehr gut
Pulverwaschmittel 10,5 sehr gut
Saurer Reiniger 2 mittel
Flüssigbleiche 11 nicht geeignet

Die einzige echte Einschränkung ist Flüssigbleiche. In allen übrigen getesteten Basen erreicht Javanol™ die Bestnote – eine Bandbreite, die unter Sandelholzmaterialien ungewöhnlich ist.

8. Woraus es hergestellt wird

Ausgangsstoff ist α-Pinen – ein Bestandteil des Terpentins, das aus Kiefern gewonnen wird. Daraus entsteht Campholenaldehyd, den die Patentschrift als „wichtigsten Ausgangsstoff für die Synthese synthetischer Riechstoffe mit dem Duftprofil von Sandelholzöl“ bezeichnet. Der Grundkörper des Moleküls stammt also aus einer der häufigsten Baumarten der nördlichen Halbkugel, nicht aus Erdöl.

Givaudan weist für Javanol™ entsprechend über 50 % erneuerbaren Kohlenstoff aus. Dieselbe Bewertung hält allerdings auch fest, dass das Material nicht biologisch abbaubar und gewässertoxisch ist – eine Offenheit des Herstellers, die man selten findet und die man beim Arbeiten ernst nehmen sollte (siehe Kurzreferenz).

Zum Hintergrund: Santalum album, die Quelle des indischen Sandelholzöls, wird von der IUCN als gefährdet (vulnerable) geführt; Indien verbietet die Ausfuhr weitgehend und lässt nur Schnitzarbeiten bis 50 g ausführen. Häufig falsch dargestellt: Santalum album ist nicht unter CITES gelistet. In Anhang II steht das Rote Sandelholz Pterocarpus santalinus – eine andere Gattung.

9. Das Wettrennen um Sandelholz

Javanol™ steht am Ende einer langen Reihe. Sie zu kennen macht verständlich, warum das Molekül aussieht, wie es aussieht.

Ende der 1930er Jahre führte ein Zufallsbefund zu Mischungen von Terpenylcyclohexanolen, die nach Sandelholz rochen. Wegen des Krieges kamen sie erst 1960 auf den Markt – als Sandela (Givaudan). Die absolute Konfiguration ihrer wichtigsten Riechstoffbestandteile wurde erst 1997 veröffentlicht: Das Material wurde also über Jahrzehnte verkauft, bevor genau feststand, was darin eigentlich riecht.

1973 folgte Osyrol als nächster Meilenstein.

Der eigentliche Durchbruch kam mit den Derivaten des α-Campholenaldehyds, 1968 in der DDR patentiert. Die Geruchsbeschreibung im Patent war irreführend zurückhaltend – „ähnelt Moschus und Sandelholz“ –, tatsächlich war die Abstammung eindeutig sandelhölzern. Aus dieser Familie stammen bis heute die meisten gebräuchlichen Sandelholzmaterialien.

Danach verbesserte man diese Vorlage Schritt für Schritt: Sandalore™ (Givaudan), Polysantol (Firmenich), Ebanol™ (Givaudan).

Philip Kraft, Riechstoffchemiker bei Givaudan, beschreibt die Lage der neunziger Jahre als eine Art Wettrüsten: Givaudan hatte Sandela, Radjanol und Ebanol, IFF hatte Bacdanol, Sanjinol und Santaliff, Kao hatte Santal Mysore Core, Symrise hatte Brahmanol, Sandel 80 und Sandranol, Firmenich hatte mit Polysantol einen sehr erfolgreichen Kandidaten.

Dann kam Javanol™ – und das Rennen war weitgehend entschieden. Kraft macht dazu eine wichtige Einschränkung: nicht, weil die anderen Sandelhölzer überholt gewesen wären. Sie waren es nicht, und für Varianten bleibt reichlich Raum. Javanol™ passte nur besser in die Rezeptoren als alles zuvor.

Die Patentlage im Klartext, weil sie im Netz durchgängig falsch wiedergegeben wird: Javanol™ ist Gegenstand der europäischen Anmeldung EP 0 801 049 „Cyclopentanebutanol derivatives as odorants“ – Anmelderin Givaudan-Roure (International) S.A., Erfinder Jerzy A. Bajgrowicz und Georg Fráter, Priorität April 1996, Anmeldung 29. März 1997, Erteilung 21. November 2001. Das US-Äquivalent ist US 5 929 291, eingereicht am 9. April 1997 und erteilt am 27. Juli 1999.

Die vielfach genannten Nummern US 5 707 961 und EP 0 743 297 gehören nicht zu Javanol™, sondern zur Georgywood-Familie (Acyl-Octahydronaphthaline) – eine völlig andere Stoffklasse ohne Cyclopropanchemie.

In der Patentschrift selbst heißt es über die Verbindung, sie besitze „den natürlichsten, stärksten und beständigsten Sandelholzgeruch, überlegen allen existierenden synthetischen (kommerziellen) Rohstoffen mit Sandelholzgeruch“. Die Geruchsbeschreibung im Beispielteil lautet: „sandalwood, very natural, floral, creamy, powdery, very strong and long-lasting“.

10. Javanol™ und Javanol™ Super

Givaudan führt zwei Qualitäten unter eigenen Codes. Chemisch sind beide dasselbe: gleiche CAS-Nummer, gleicher chemischer Name, in beiden Fällen eine Mischung von Diastereoisomeren, gleiche physikalisch-chemische Kennwerte.

Der Unterschied liegt im Profil. Javanol™ betont frische, rosig-pudrige Facetten. Javanol™ Super betont stärker lactonig-zedrige. Ein Givaudan-Parfümeur fasst es so zusammen: Javanol™, wenn eine rosige Sandelholznote gebraucht wird; Javanol™ Super, wenn eine holzigere erwartet wird. Kraft und Reichtum sind bei beiden vergleichbar.

Eine verbreitete Angabe stimmt nicht: Javanol™ Super ist kein isoliertes Einzelisomer. Der Hersteller führt es ausdrücklich als Mischung von Diastereoisomeren, mit derselben CAS-Nummer wie das Standardprodukt.

11. Javanol™ als Hauptdarsteller

Parfümformeln sind Betriebsgeheimnis, weshalb die meisten Zuschreibungen im Internet unbelegt bleiben. Ein Fall ist jedoch dokumentiert, weil das Molekül dort das Konzept ist.

Molecule 04 und Escentric 04 von Escentric Molecules, komponiert von Geza Schoen. Die Marke schreibt selbst: „Molecule 04 besteht aus Javanol, rein und einzeln“; Escentric 04 stellt dem Molekül unter anderem Grapefruit, Wacholder, Osmanthus, Rose, Mastix und Labdanum zur Seite.

Die Marke arbeitet nach dem Prinzip, einzelne Riechstoffmoleküle in den Mittelpunkt zu stellen. Als erstes Parfum, das vollständig um eine einzelne synthetische Substanz gebaut wurde, gilt Velvione in Helmut Lang Velviona von 2001.

12. Handhabung: Kristallbildung und Lagerung

Javanol™ hat eine Eigenheit, die viele Anwender beim ersten Mal irritiert: Es kristallisiert. Bei kühler Lagerung kann das Material eintrüben oder feste Kristalle bilden. Der Hersteller weist ausdrücklich darauf hin und empfiehlt, das Gebinde vor der Verwendung auf etwa 40 °C zu erwärmen und einmal gründlich durchzumischen.

Das ist kein Qualitätsmangel und beeinträchtigt weder Geruch noch Wirkung. Es ist eine physikalische Eigenschaft des Materials.

Zwei praktische Konsequenzen:

  • Vor dem Abwiegen erwärmen. Wer aus einem teilkristallisierten Gebinde entnimmt, entnimmt eine Fraktion – nicht das Material in seiner Spezifikation.
  • Warm lagern. Givaudan empfiehlt Lagerung bei etwa 40 °C, trocken, gut belüftet, vor Licht geschützt, Gebinde möglichst voll und hermetisch verschlossen.

Die Haltbarkeit beträgt 24 Monate ab Herstellung.

13. Kurzreferenz: Chemie und Sicherheit

CAS-Nr. 198404-98-7
EG-Nr. 427-900-1
FEMA-Nr. 4776
Summenformel C₁₅H₂₆O
Molmasse 222,37 g/mol
Geruchsschwelle 0,02 ng/l (CHIMIA 2001)
Patent EP 0 801 049 / US 5 929 291 (Bajgrowicz & Fráter)
Dichte (20 °C) 0,947 g/cm³
Brechungsindex (20 °C) 1,4850–1,4920
Optische Drehung +19,0 bis +30,0°
Reinheit Summe der zwei Peaks ≥ 85 % (ISO 7609)
Schmelzpunkt < −50 °C
Siedepunkt 268 °C (1013 hPa)
Flammpunkt 136 °C
Selbstentzündung 255 °C
Log Pow 4,5
Wasserlöslichkeit 3,8 mg/l (20 °C)
Viskosität (dyn., 20 °C) 67,2 mPa·s
Ausgangsstoff α-Pinen (Kiefernterpentin)
Herkunftsland Schweiz

Sicherheit: Javanol™ ist nach CLP als gewässergefährdend eingestuft – Aquatic Acute 1 (H400) und Aquatic Chronic 1 (H410), Signalwort „Achtung“, Piktogramm GHS09. Für die menschliche Gesundheit liegen keine Einstufungen vor: weder akute Toxizität noch Haut- oder Augenreizung, weder Haut- noch Atemwegssensibilisierung, keine Mutagenität, Karzinogenität oder Reproduktionstoxizität. Die orale und die dermale LD50 an der Ratte liegen jeweils über 2.000 mg/kg.

Umwelt: Das Material ist nicht schnell abbaubar. Ökotoxikologische Kennwerte: LC50 Fisch 1,02 mg/l, EC50 Daphnia magna 0,38 mg/l, EC50 Algen (72 h) 0,33 mg/l, NOEC chronisch Fisch 0,055 mg/l. Rückstände und Spülwasser dürfen nicht in die Kanalisation gelangen.

Transport: UN 3082, Klasse 9, Verpackungsgruppe III, Meeresschadstoff.

Häufige Fragen zu Javanol™

Warum ist mein Javanol™ trüb oder fest?

Weil es kristallisiert – eine bekannte Eigenschaft des Materials, kein Mangel. Das Gebinde auf etwa 40 °C erwärmen und einmal durchmischen, danach ist es wieder klar und unverändert einsatzbereit.

Warum riecht ein Sandelholzmolekül nach Rose?

Die rosige Facette ist Teil des offiziellen Duftprofils. Die kursierende Erklärung – Sättigung der Sandelholz-Rezeptoren, danach Mitsprechen weniger spezifischer Rezeptoren – stammt aus einem Interview mit Philip Kraft in einem Marken-Blog und ist nicht in der Fachliteratur veröffentlicht. Wir geben sie als Deutung wieder, nicht als gesicherten Mechanismus.

Wie hoch sollte die Dosierung sein?

Offiziell von Spuren bis 2 %. In der Praxis ist die Wirkung bereits unter 0,1 % deutlich. Aufgrund der extrem niedrigen Geruchsschwelle sollte man immer verdünnt anlegen – 1 % oder darunter für die erste Beurteilung.

Was unterscheidet Javanol™ von Sandalore™?

Kraft und Charakter. Nach den veröffentlichten Schwellenwerten liegt Javanol™ bei 0,02 ng/l, Sandalore™ bei 3,1 ng/l – ein Unterschied von mehr als dem Hundertfünfzigfachen. Sandalore™ betont die warme, süße Seite des Sandelholzes und wird in deutlich höheren Konzentrationen eingesetzt (0,5–10 %). Die beiden schließen einander nicht aus, sondern besetzen unterschiedliche Facetten desselben Themas.

Was ist der Unterschied zu Javanol™ Super?

Chemisch keiner – gleiche CAS-Nummer, in beiden Fällen eine Mischung von Diastereoisomeren. Im Profil betont Javanol™ die rosig-pudrige Seite, Javanol™ Super die lactonig-zedrige.

Ist Javanol™ ein Sandelholz-Ersatz?

Nicht im Sinne einer Rekonstruktion. Javanol™ bildet natürliches Sandelholzöl nicht nach, sondern isoliert und verstärkt dessen zentrale cremig-milchige Facette. Wer einen vollständigen Sandelholz-Eindruck sucht, kombiniert es mit weiteren Materialien.

Stimmt es, dass Javanol™ die Wundheilung fördert?

Nein. Die bekannte Studie zum Geruchsrezeptor OR2AT4 in menschlichen Hautzellen (Busse et al., J. Invest. Dermatol. 2014) wurde mit Sandalore™ durchgeführt. Javanol™ gehörte zu den mitgetesteten Strukturen, wurde dort aber nicht als Agonist identifiziert – als weiterer möglicher Agonist wird in der Arbeit nur Brahmanol genannt.

In welchen Anwendungen ist Javanol™ nicht geeignet?

Ausschließlich in Flüssigbleiche (pH 11). In allen anderen getesteten Basen – von Weichspüler über Shampoo und Seife bis Pulverwaschmittel – zeigt es sehr gute Stabilität.

Ist Javanol™ biologisch abbaubar?

Nein. Das Material ist nicht schnell abbaubar und gewässertoxisch (H410). Gleichzeitig weist der Hersteller über 50 % erneuerbaren Kohlenstoff aus, da der Grundkörper aus Kiefernterpentin stammt. Beim Arbeiten mit dem Material sollten Rückstände und Spülwasser nicht in die Kanalisation gelangen.


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