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Givaudan

Javanol™ (Givaudan)

Javanol™ (Givaudan)

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Javanol™ – Givaudan

Javanol™ ist das kraftvollste Sandelholz-Molekül, das die Parfümerie derzeit kennt. Was andere Sandelholz-Synthetika über Dosierung erreichen, erreicht Javanol™ über Qualität: Es riecht nicht nur nach Sandelholz, es riecht nach dem, was man am Sandelholz eigentlich sucht – cremig, milchig, warm, mit einer rosigen Facette, die kein anderes Material dieser Gruppe besitzt.

Duftcharakter

  • Holzig, Sandelholz, cremig, rosig, kraftvoll (offizielles Sensory Profile)
  • Reiche, natürliche Sandelholz-Note vom Typ β-Santalol, kombiniert mit rosigen Nuancen (Herstellerbeschreibung)
  • Die rosige Facette verflüchtigt sich zuerst – was bleibt, ist milchige Wärme
  • Haltbarkeit auf dem Blotter: über einen Monat
  • Geruchsschwelle 0,02 ng/l – der niedrigste veröffentlichte Wert der gesamten Sandelholzgruppe

Rolle in der Formel

Javanol™ ist die jüngste Generation der Sandelholz-Moleküle. Entwickelt wurde es von Jerzy A. Bajgrowicz und Georg Fráter in den Forschungslaboren von Givaudan-Roure in der Schweiz; die Priorität der Patentanmeldung liegt im April 1996, die europäische Anmeldung EP 0 801 049 „Cyclopentanebutanol derivatives as odorants“ wurde am 29. März 1997 eingereicht, das US-Äquivalent US 5 929 291 am 27. Juli 1999 erteilt.

In dieser Patentschrift beschreibt Givaudan das Molekül selbst mit ungewöhnlicher Deutlichkeit: es besitze „den natürlichsten, stärksten und beständigsten Sandelholzgeruch, überlegen allen existierenden synthetischen Rohstoffen mit Sandelholzgeruch“.

Chemisch handelt es sich um einen Cyclopropyl-Alkohol mit zwei Dreiringen und ohne jede Doppelbindung – letzteres erklärt die ungewöhnliche Stabilität in nahezu allen Anwendungsbasen. Hergestellt wird es über eine doppelte Simmons-Smith-Cyclopropanierung, die Kraft und Kollegen in CHIMIA als „Seltenheit in der chemischen Industrie“ bezeichnen.

Laut Herstellerangaben ist Javanol™ in Waschtests rund achtmal wirksamer als das stärkste konkurrierende Sandelholzprodukt. In der Praxis bedeutet das: Es wirkt gleichzeitig als Sandelholz-Note und als strahlender Fixateur, der moschusartige, florale und würzige Akkorde trägt, ohne sie zu überdecken.

Wo Javanol™ in der Reihe steht

Die veröffentlichten Geruchsschwellen der Sandelholz-Riechstoffe zeigen den Weg von fünfundsechzig Jahren Chemie (Gautschi, Bajgrowicz & Kraft, CHIMIA 2001, 55, 379–387, Abb. 3):

Material Jahr Geruchsschwelle
(−)-(Z)-β-Santalol (natürlich) 1935 0,5 ng/l
Sandela 1960 8,3 ng/l
Osyrol 1973 49 ng/l
Sandalore™ 1976 3,1 ng/l
Sandal Mysore Core 1978 0,1 ng/l
Polysantol 1984 0,2 ng/l
Ebanol™ 1986 0,2 ng/l
Javanol™ 2000 0,02 ng/l

Mehr als zwanzigmal niedriger als der Naturstoff, der den Geruch des indischen Sandelholzöls trägt.

Verwendung in der Parfümerie

Der Einsatzbereich reicht von Spuren bis 2 % im Konzentrat. Bereits unter 0,1 % bringt Javanol™ Fülle und Cremigkeit in nahezu jeden Akkord – ein Dosierfenster, das deutlich unter dem der meisten anderen Sandelholzmaterialien liegt.

Dokumentierte Synergie: 20 % Javanol™ mit 80 % Nectaryl ergeben die Anmutung eines frisch angespitzten Bleistifts, mit überraschenden Pfirsich- und Patchouli-Inflexionen.

Stabilität nach Anwendungsbasis (Herstellerangaben):

Weichspüler (pH 3) sehr gut
Antitranspirant (pH 3,5) sehr gut
Shampoo (pH 6) sehr gut
Allzweckreiniger (pH 9) sehr gut
Flüssigwaschmittel (pH 9) sehr gut
Seife (pH 10) sehr gut
Pulverwaschmittel (pH 10,5) sehr gut
Saurer Reiniger (pH 2) mittel
Flüssigbleiche (pH 11) nicht geeignet

Weitere Sandelholz-Materialien: Für die warme, süße Seite des Sandelholzes führen wir Sandalore™.

Praktischer Hinweis: Lösen, Lagern, Kombinieren

Lösen: Praktisch wasserunlöslich (3,8 mg/l bei 20 °C), mit einem Log Pow von 4,5 gut löslich in alkoholischen und fetten Trägern. Deutlich viskos (67,2 mPa·s bei 20 °C).

Kristallbildung – bitte beachten: Javanol™ kann bei kühler Lagerung auskristallisieren oder eintrüben. Das ist kein Qualitätsmangel und beeinträchtigt weder Geruch noch Wirkung. Vor Gebrauch das Gebinde auf etwa 40 °C erwärmen und einmal gründlich durchmischen, bis die Flüssigkeit wieder klar ist. Wer aus einem teilkristallisierten Gebinde entnimmt, entnimmt eine Fraktion und nicht das Material in seiner Spezifikation.

Lagern: Warm bei etwa 40 °C, trocken und gut belüftet lagern, vor Licht geschützt. Gebinde möglichst voll und hermetisch verschlossen halten. Haltbarkeit 24 Monate ab Herstellung.

Kombinieren: Bewährt in Sandelholz-Akkorden, als Fixateur in Weißblüten- und Moschuskompositionen sowie in würzigen Holznoten. Aufgrund der niedrigen Schwelle immer zuerst verdünnt anlegen – 1 % oder darunter für die erste Beurteilung.

Herkunft des Kohlenstoffs

Ausgangsstoff ist α-Pinen aus Kiefernterpentin – über Campholenaldehyd, den zentralen Baustein fast aller synthetischen Sandelholzriechstoffe. Der Grundkörper stammt also aus einer der häufigsten Baumarten der nördlichen Halbkugel und nicht aus Erdöl. Givaudan weist für Javanol™ entsprechend über 50 % erneuerbaren Kohlenstoff aus.

Zum Hintergrund: Santalum album, die Quelle des indischen Sandelholzöls, steht auf der Roten Liste der IUCN als gefährdet (vulnerable); Indien verbietet die Ausfuhr von Sandelholz weitgehend. Unter CITES ist Santalum album nicht gelistet – gelistet ist dort das Rote Sandelholz Pterocarpus santalinus (Anhang II), eine andere Art.

Sicherheitshinweise

Javanol™ ist nach aktueller Einstufung gemäß CLP-Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 als gewässergefährdend eingestuft (Aquatic Acute 1, H400 – sehr giftig für Wasserorganismen; Aquatic Chronic 1, H410 – sehr giftig für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung), Signalwort „Achtung“.

Für die Gesundheit liegen die Werte im unbedenklichen Bereich: Die orale LD50 an der Ratte liegt bei über 2.000 mg/kg, die dermale LD50 ebenfalls bei über 2.000 mg/kg (beide OECD-geprüft unter GLP). Nicht eingestuft sind akute Toxizität, Hautreizung, Augenreizung, Haut- und Atemwegssensibilisierung, Keimzellmutagenität, Karzinogenität, Reproduktionstoxizität sowie STOT. Kein PBT- oder vPvB-Stoff, nicht als endokriner Disruptor bewertet.

Ökotoxikologische Daten: LC50 (Fisch) = 1,02 mg/l, EC50 (Daphnia magna) = 0,38 mg/l, EC50 (Algen, 72 h) = 0,33 mg/l, NOEC chronisch (Danio rerio, 30 d) = 0,055 mg/l. Die Substanz ist nicht schnell abbaubar. Der Flammpunkt liegt bei 136 °C (Pensky-Martens, geschlossener Tiegel), die Selbstentzündungstemperatur bei 255 °C – nicht entzündbar im Sinne der Brandschutzvorschriften. Für den Transport gilt UN 3082, Klasse 9, Verpackungsgruppe III, als Meeresschadstoff eingestuft.

Bitte konsequent verhindern, dass Rückstände oder Spülwasser in die Kanalisation gelangen.

Physico-Chemical Properties

Hersteller Givaudan
Chemische Bezeichnung (1-Methyl-2-(1,2,2-trimethylbicyclo[3.1.0]hex-3-ylmethyl)cyclopropyl)methanol (Mischung von Diastereoisomeren)
Summenformel C₁₅H₂₆O
Molekulargewicht 222,37 g/mol
CAS-Nr. 198404-98-7
EG-Nr. 427-900-1
FEMA-Nr. 4776
REACH-Registrierungsnummer 01-0000017424-73
Patent EP 0 801 049 / US 5 929 291 (Bajgrowicz & Fráter, Givaudan-Roure)
Reinheit Summe der zwei Peaks ≥ 85 % (ISO 7609, unpolar)
Aussehen Farblos bis blassgelb, viskos
Geruchsschwelle 0,02 ng/l (Gautschi, Bajgrowicz & Kraft, CHIMIA 2001)
Log Pow 4,5 (OECD 117)
Wasserlöslichkeit 3,8 mg/l bei 20 °C (praktisch unlöslich)
Dichte 0,947 g/cm³ bei 20 °C
Brechungsindex 1,4850–1,4920 bei 20 °C
Optische Drehung +19,0 bis +30,0°
Schmelzpunkt < −50 °C
Siedepunkt 268 °C bei 1013 hPa
Flammpunkt 136 °C (Pensky-Martens, geschlossener Tiegel)
Selbstentzündungstemperatur 255 °C (DIN 51794)
Dampfdruck 0,0003 hPa bei 20 °C
Viskosität (dyn.) 67,2 mPa·s bei 20 °C
Oberflächenspannung 41,4 mN/m bei 20 °C
Ausgangsstoff α-Pinen (Kiefernterpentin)
Herkunftsland Schweiz
Givaudan Code 8754013

FAQ

Warum ist Javanol™ trüb oder kristallin?
Javanol™ neigt bei kühler Lagerung zur Kristallbildung. Das ist normal und kein Qualitätsmangel. Das Gebinde auf etwa 40 °C erwärmen und einmal durchmischen – danach ist das Material wieder klar und unverändert einsatzbereit.

Wie hoch sollte die Dosierung sein?
Von Spuren bis 2 % im Konzentrat. Bereits unter 0,1 % ist die Wirkung deutlich – aufgrund der extrem niedrigen Geruchsschwelle immer zuerst verdünnt anlegen.

Was unterscheidet Javanol™ von Sandalore™?
Javanol™ ist deutlich kraftvoller – nach den veröffentlichten Schwellenwerten um mehr als das Hundertfünfzigfache – und besitzt eine charakteristische rosige Facette; Sandalore™ betont die warme, süße Seite des Sandelholzes und wird in wesentlich höheren Konzentrationen eingesetzt (0,5–10 %).

Ist Javanol™ biologisch abbaubar?
Nein. Laut Prüfdaten ist die Substanz nicht schnell abbaubar und gewässertoxisch. Rückstände und Spülwasser dürfen nicht in die Kanalisation gelangen.

In welchen Anwendungen ist Javanol™ nicht geeignet?
In Flüssigbleiche (pH 11). In allen übrigen getesteten Basen – von Weichspüler über Shampoo bis Pulverwaschmittel – zeigt es sehr gute Stabilität.

Gefahrenhinweise (CLP-Kennzeichnung)

GHS09

Signalwort: Achtung

Gefahrenhinweise (H):
H410 – Sehr giftig für Wasserorganismen, mit langfristiger Wirkung.

Sicherheitshinweise (P):
P273 – Freisetzung in die Umwelt vermeiden.
P391 – Verschüttete Mengen aufnehmen.
P501 – Inhalt/Behälter der Entsorgung gemäß den örtlichen Vorschriften zuführen.

Stoff: Javanol™ (CAS 198404-98-7). Einstufung: Aquatic Acute 1 (H400) / Aquatic Chronic 1 (H410). Die maßgeblichen CLP-Kennzeichnungselemente (Piktogramm, Signalwort, H- und P-Sätze) gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP) in ihrer jeweils geltenden Fassung sind hier vollständig wiedergegeben. Die rechtsverbindliche Kennzeichnung befindet sich auf dem Gebindeetikett.

Wichtiger Hinweis

Dieses Produkt ist ein parfümerischer Rohstoff und dient ausschließlich der Duftentwicklung, kreativen Experimenten, Ausbildung sowie dem Studium parfümerischer Materialien. Es handelt sich nicht um ein fertiges kosmetisches Produkt. Bitte verantwortungsvoll verwenden.

Javanol™ – Herkunft, Wissenschaft und Anwendung →

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