Synthetisches Sandelholz: Sandalore vs Ebanol

Synthetisches Sandelholz: Sandalore vs Ebanol

Echtes Mysore-Sandelholz ist selten, teuer und wegen jahrzehntelanger Übernutzung streng geschützt. Deshalb ruht fast jeder Sandelholz-Akkord der letzten Jahrzehnte auf synthetischen Molekülen. Zwei davon stammen von Givaudan und tauchen immer wieder auf: Sandalore und Ebanol. Beide riechen nach Sandelholz – aber sie tun nicht dasselbe. Hier steht, worin sie sich unterscheiden und wann man welches nimmt.

Die kurze Antwort

Sandalore ist das weiche, cremige, leicht süße Sandelholz: rund, glänzend, zugänglich. Ebanol ist das kräftige, aromatische Sandelholz: dichter, harziger, mit einer opoponaxartigen Tiefe. Wer beide mischt, bekommt das vollständigere Bild – Sandalore für den cremigen Körper, Ebanol für Kontur und Druck.

Sandalore im Detail

Givaudan führte Sandalore in den 1970er-Jahren ein, und es ist bis heute das freundlichste Sandelholz-Molekül im Regal: warm, cremig, süßlich-holzig, mit einem leicht floralen, moschusartigen Unterton. Es diffundiert gut und hält lange. In der Spitze gilt es als rund die Hälfte kräftiger als natürliches Sandelholzöl, klingt am Ende aber schneller ab als das Naturöl.

Praktisch heißt das: Sandalore ist ein Arbeitspferd für weiche Holznoten, cremige Basen und alles, was gefällig wirken soll. Da seine Geruchsschwelle vergleichsweise hoch liegt (rund 3 ng/l), darf man es großzügiger dosieren als die potenteren Verwandten.

Ebanol im Detail

Ebanol, ebenfalls von Givaudan, ist der kräftigere Gegenpol. Es riecht deutlich aromatischer, mit einer harzigen Facette, die an Opoponax oder Ahornsirup erinnert, und mit dunkleren, fast ledrig-phenolischen Nuancen. In einem Sandelholz-Akkord ist Ebanol die „harte“ Note – die, die Struktur und Ausstrahlung liefert.

Zwei Dinge sind wichtig: Ebanol ist erheblich potenter als Sandalore (Geruchsschwelle rund 0,2 ng/l, also etwa fünfzehnmal empfindlicher) – man dosiert es also deutlich sparsamer. Und es sollte frisch verarbeitet werden: älteres oder schlecht gelagertes Material kann Fehltöne entwickeln.

Direkter Vergleich

  Sandalore Ebanol
Charakter weich, cremig, süßlich, rund kräftig, aromatisch, harzig, dunkler
Rolle im Akkord cremiger Körper, Weichzeichner Struktur, Kraft, Kontur
Potenz (Geruchsschwelle) geringer (~3 ng/l) hoch (~0,2 ng/l)
Dosierung großzügiger sparsam
Besonderheit gefällig, leicht einzusetzen frisch verarbeiten, sonst Fehltöne
Hersteller Givaudan Givaudan

Warum man beide zusammen nimmt

Die meisten überzeugenden Sandelholz-Rekonstruktionen setzen nicht auf ein einziges Molekül, sondern auf eine Mischung. Sandalore liefert den cremigen, hautfreundlichen Körper; Ebanol legt die kräftige, harzige Signatur darüber. Zusammen wirken sie voller und lebendiger als jedes für sich – das eine gleicht die Dünne des anderen aus. Ein guter Startpunkt ist ein Übergewicht Sandalore mit einer kleinen, genau dosierten Menge Ebanol; von dort tastet man sich vor.

Welches für welchen Zweck?

  • Weiche, cremige Holznote gesucht – Sandalore, großzügig dosiert.
  • Kraft, Ausstrahlung, harzige Tiefe gesucht – Ebanol, sparsam.
  • Vollständige Sandelholz-Rekonstruktion – beide kombinieren.
  • Einstieg / erstes Experiment – mit Sandalore beginnen; es verzeiht mehr.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Sandalore und Ebanol?

Sandalore riecht weich, cremig und leicht süß; Ebanol kräftiger, harziger und dunkler. Sandalore gibt den Körper, Ebanol die Struktur.

Welches ist stärker?

Ebanol. Seine Geruchsschwelle liegt rund fünfzehnmal niedriger als die von Sandalore, weshalb man es deutlich sparsamer einsetzt.

Kann man Sandalore und Ebanol mischen?

Ja – genau das ist der übliche Weg. Sandalore als cremiger Körper, Ebanol als kräftige Kontur.

Ersetzen sie echtes Sandelholzöl?

Sie bilden zentrale Facetten überzeugend nach und sind planbar verfügbar. Die volle Komplexität eines guten Mysore-Öls erreicht man meist erst in Kombination mehrerer Materialien.

Gibt es IFRA-Einschränkungen?

Beide sind IFRA-reguliert. Bitte die aktuelle IFRA-Novelle für die jeweilige Anwendungskategorie prüfen.


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